Foto: Sophie Weise / http://www.sophie-weise-fotografie.de/

Die Hochzeit auf dem Land

Foto: Sophie Weise / http://www.sophie-weise-fotografie.de/Wo immer die Liebe hinfällt, sie gilt als eine Revolte, die durch Konventionen kaum aufzuhalten ist. Daher gibt es auch keinen Grund, sich bei einer Liebesheirat plötzlich wieder der Tristesse herkömmlicher Hochzeitsausstatter zu unterwerfen. Manchmal gehen es Paare aus Protest ohnhin schmucklos an („übrigens, wir waren gestern beim Standesamt und haben geheiratet”) oder sie brennen auf der Stelle nach Las Vegas durch. Man kann den privaten Gegenentwurf zu den Ritualen der Eltern aber auch als Landpartie oder Fahrradpicknick feiern. Natürlich plädieren wir auf diesen Seiten ausdrücklich für die Fahrradhochzeit.

Wer dabei trotzdem nicht in Jeans und T-Shirt auftreten möchte, um eine gewisse feierliche Form zu wahren, könnte bei Oliver Sinz aus Berlin ganz richtig sein. Der ist selbst Radfahrer und entwirft unter dem Titel „Bike Tweeds” Kollektionen aus Tweedstoff mit funktionellen Extras, die sich zum Fahrradfahren eignen. Seine neueste Idee ist aber mit „Wedding Tweeds” überschrieben. Hier ist erst einmal gar nichts vorgegeben. Ausgehend von einem Stoff, einer Farbe oder den Blumenschmuck arbeitet sich der Designer in einem künstlerischen Prozess  an die Aufgabe heran, ein authentisches Outfit maßzuschneidern, das auch tatsächlich zum jeweiligen Paar passt.

Die Fotos zeigen passend zur Jahreszeit, wie die etwas andere Hochzeit aussehen könnte. Man beachte das Zusammenspiel der Details: Der Bräutigam kombiniert Tweed-Jackett aus hellem Fischgrat mit Weste und Knickerbocker aus weißem Tweedstoff, dessen blaue und rote Sprenkel sich auf die Brautschuhe beziehen. Dazu Weste, Schiebermütze, violette Socken, Hemd, Manschettenknöpfe, Einstecktuch (Pochette), sowie eine handgebundene Schleife aus dem Brautkleidstoff. Der Stoff für das Brautkleid wurde für einen eleganteren Fall diagonal von der Stoffbahn geschnitten. Von der Schulter bis zum Kleiderschlitz verläuft eine Borte. Die geklöppelte Spitze fand Sinz in einem traditionellen Kurzwarenladen in Südfrankreich.

Schön und gut, möchte man hinzufügen. Aber was um Himmels willen kostet uns der Maßschneider? Die Antwort des Designers darauf: „Wie die Hochzeit selbst kann die Ausgabe für einen dreiteiligen Maßanzug, die abhängig vom Material, bei 1800 Euro beginnt, eine Entscheidung fürs Leben sein. Im Gegensatz zum üblichen Hochzeitsstaat muss er nach dem großen Tag nicht im Kleiderschrank verstauben.” Das komplette Outfit oder Einzelteile wie das Tweedjackett oder die Weste lassen sich hinterher im Alltag tragen. Kleine Extravaganzen macht Oliver Sinz bis zur Businesstauglichkeit rückgängig. Angesichts der Summen, die manche Hochzeitsmanager budgetieren, fast schon wieder eine Gelegenheit aus Liebe.

Text: wscher / Fotos: Sophie Weise / www.sophie-weise-fotografie.de

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