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Für meiner ersten „Radhelm“-Test habe ich lange überlegt, ob ich nicht einen Sicherheitstest anordnen sollte. Etwa diese autoaggressive Psychonummer hinter zugezogenen Vorhängen, bei der man ein paar Mal die Denkerstirn gegen eine Wand schlägt. Doch nach Unternehmensangaben entspricht die Kopfbedeckung ausdrücklich keiner Norm für Schutzhelme. Sie ist auch kein Ersatz für einen Helm. Vertriebsleiter Patrick Thomschke hat mir das einmal so erklärt: „Das Besondere an helt-pro ist, dass wir Mützen anbieten, die eine Hartschale enthalten. Sie erinnern an einem Helm, bieten aber eine Mützenoptik.“ Wenn sie also nur an einem Helm erinnern, sollte man besser keine Radrennen damit fahren. Etwaige Crashtests überlasse ich aus Eigeninteresse der Stiftung Warentest. Im Folgenden wird es deshalb nicht um einen Radhelm, sondern um Hutmode für Radfahrer/innen gehen.

Das taucht unseren Gegenstand in ein ganz anderes Licht. Bei den Tausenden von Caps, die Brands, Teams, Bike-Shops oder sogar Fahrradblogs gern mal alternativ zum T-Shirt als Fanartikel feilbieten, habe ich mich häufig gefragt, ob es nicht noch weitere Möglichkeiten gibt, das Haupt eines Rad fahrenden Menschen würdig zu krönen.

Deshalb wollte ich unbedingt einmal helt-pro testen. Beginnen wir also mit dem Look. Auch wenn das Titelbild in Wahrheit das Foto eines Esels anstelle eines Pferdes zeigt. (Hippophile Leser/innen werden es sofort erkannt haben.) Ich finde der Look rückt schon sehr an die modische Optik des Reiters heran. Weil das Rad historisch einmal mit dem Pferd konkurrierte, finde ich es nicht uninteressant, inwieweit Rad- und Reitmode austauschbar sind oder sich gegenseitig beeinflussten. Sollte ich jemals die Zeit dafür finden: Es steht noch das große Essay über Fahrräder und Pferde unter besonderer Berücksichtigung zugehöriger Bekleidung aus. Zumindest ein halb fertiges Exposé über die Austauschbarkeit von Reit- und Fahrradhelmen liegt bereits irgendwo im Archiv.

helt-pro aber wirbt genau mit dieser Austauschbarkeit und erweitert den Anwendungsbereich: Für Fahrradfahrer, Skater, Reiter, Skifahrer und Snowboarder. Entsprechend entschied sich eine Kollegin von mir für eine solche Mütze für ihren Skiurlaub und fühlte sich wohl damit.

Alternativ zum „Runner Tweed“ hätte ich mir die Sherlock Holmes-Variante mit Ohrenklappen vorstellen können. (S. Foto mit Dame. Sitzt die etwa auf einem Pferd …?) Das Runner-Cap gibt es noch als Jeansvariante und Pol. Die Mützen sind auswechselbar. Bei wem die Leidenschaft erwacht, der braucht sich im Prinzip nur einmal die Hartschale zu kaufen und kann dann zum Sammler der austauschbaren Designs werden, die in wechselnden Kollektionen angeboten werden.

Dank des Inlays sitzt die Hartschale angenehm auf dem Kopf. Das Haltesystem besteht technisch aus einem „3D-Gurtband“ und einem Einhand-Magnet-Verschluss, der sich selbsttätig schließt und mit zwei Fingern wieder öffnen lässt. Ganz so geschickt wie nach Firmenangaben ließ sich der nicht immer schließen. Vielleicht liegt´s auch an der Geschicklichkeit des Verfassers dieser Zeilen.

Gefahren bin ich damit im Winter wie unter warmen Sonnenstrahlen. Bedingungsloses heizen würde ich nicht empfehlen. Da wurde es trotz Lüftungsschlitze schon mal warm unter der Mütze. Pluspunkt bezüglich Transport und Tragekomfort ist das geringe Gewicht der Hartschale.

Souverän ist der Auftritt mit dem „Runner Tweed“ jedoch immer. Betritt man Orte urbaner Zivilisation wie Warenhäuser oder Straßencafés, habe ich den einfach aufbehalten, zählte dadurch vielleicht zu den Snobs, doch merklich nicht zu den Außerirdischen, wie bei vielen Sporthelmen aufgrund ihres Designs zurecht befürchtet wird. Und nicht ganz zu unrecht heißt es im Marketingsprech von helt-pro zum Runner: „Der Urbane scheut kein Hindernis. Kommt witzig-frech daher und stiehlt elegant jedem die Show.” Na bitte. Stilistisch interessant ist auch, dass sich der Tweed Runner aufgrund seiner Form ebenso gut im sportlichen Outfit wie mit der Sakkovariante tragen ließ. Die Mütze ist Teil der Sommerkollektion. Damit schön sein kostet derzeit 99,95 Euro.

Am Ende unterliege ich doch noch der Versuchung und komme auf einen praktischen Sicherheitsaspekt zurück. Es wäre wohl unfair zu behaupten, dass die helt-pro-Mützen vor gar nichts schützen und allein modisch bestechen. Die ABS-Hartschale dürfte tatsächlich vor fallenden Gegenständen und Stößen schützen. Ich denke insbesondere an den Spätsommer oder Herbst, wenn der Tweed-Look erst richtig zur Geltung kommen wird. Wenn Kastanien, Zweige, Blätter und fragt mich nicht was alles vom Himmel herunterstürzen. Ursprünglich wollte ich mit dem Runner Tweed zum nächsten Tweed Run in Berlin kommen. Da hätte es noch einmal Schauradeln und ein Foto-Shooting für den ästhetischen Beweis gegeben. Aber so lange wollte die Firma aus der Lausitz ihren Testhelm dann doch nicht  entbehren.

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Text: wscher / Fotos: wscher / A. Jeltschin / helt-pro

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