Foto: A. Jeltschin / www.fahrradjournal.de

Anfang März radelte ich zum Levi´s Store am Berliner Kurfürstendamm, um mir die Levi´s Jeans der im vergangenen Jahr vorgestellten „Commuter Series“ aus der Nähe anzuschauen. Glücklicherweise erfüllte ich alle drei Voraussetzung für die Jeanshose: Ich bin erstens schlank, zweitens männlich, drittens hatte ich 120,00 Euro übrig. Weil der Marktanteil Rad fahrender Frauen von Levi´s bisher als zu gering eingeschätzt wird, gibt es noch keine Damenkollektion. Ob sich nicht doch irgendwelche schlanken Mädchen in die Hose zwängen? „Nein“, so verriet mir jedenfalls die Verkäuferin, „Frauen kaufen diese Jeans nicht.“

Ich fand meine Größe W34/L34, zögerte kurz wegen der Slimform, auch das sollte ästhetisch bedacht sein, zahlte schließlich und setzte mich gleich aufs Rad damit. Dass es sich klimatisch um eine dünne Sommerhose handelt, wurde beim ersten Luftzug spürbar. Da saß die Hose noch eng. Der Stretchanteil im Stoff weitete die Hose in den folgenden Tagen rasch in eine für meine Empfindung bequemere Form. Das sollte bei der Wahl der Größe ebenfalls bedacht werden.

Zuhause angekommen, interessierte ich mich zunächst für die NanoSphere®-Ausrüstung. Diese ist auf der Textiloberfläche aufgetragen und soll Wasser wie Schmutz abweisen, ohne die Optik oder die Atmungsaktivität zu beeinflussen. Also machte ich ein paar schüchterne Experimente mit Wasserspritzern. Und siehe: Die Wasserperlen standen tatsächlich wie Morgentau auf dem Stoff und perlten nur so herunter. Darauf rumreiben sollte man nicht, denn dann dringt die Feuchtigkeit ein. Im Gegensatz zu herkömmlicher Jeans ist es allerdings ein weiteres Phänomen der Commuter, dass ihr Stoff rasch wieder trocknet. Nun, soweit meine improvisierten Versuche im Labor. Die Härtetests sollten bald auf natürliche Weise folgen.

Bereits wenige Tage nach dem Kauf radelte ich zur Berliner Fahrrad Schau. Den ganzen Tag über verbrachte ich in den Hallen, verirrte mich an den Ständen und in Gesprächen, wie es sich auf einer Fahrradmesse gehört. Dabei hatte ich nicht ein einziges Mal nach draußen geschaut. Erst vor dem Aufbruch sprachen mich ein paar Leute an: „Hast du eigentlich schon mal rausgeschaut?“ Ich schaute hinaus und sah: Der Winter war noch einmal zurückgekehrt, Regen und Schnee wechselten sich in ungemütlicher Reihenfolge ab. Aber die anteilnehmende Frage: „Hast du es weit?“ verstand ich überhaupt nicht. Einerseits fragten das ausgerechnet Radenthusiasten, andererseits hatte ich diese Legendenbildungsmaschine eines anderen Bekleidungsherstellers aus dem Radsportbereich im Kopf. Damit meine ich Werbefilme, in denen die Helden in stilsicherer Performance Wear durch Wind und Wetter reiten. So dachte ich beim Hinausschauen: Endlich!, der Härtetest für Ross, Reiter und Jeans.

Ich setzte mich also aufs Rad und fuhr die knapp acht Kilometer, eine optimale Pendlerstrecke, im langsamen Tempo durch den Schnee zurück. Der Schnee verwandelte sich in Regen. Und als Berufsskeptiker argwöhnte ich, in dieser dünnen Sommerhose wirst du in Windeseile nass bis auf die Knochen sein und anschließend erfrieren. In diesem Augenblick war aus dem Helden längst wieder ein gewöhnlicher Alltagsradfahrer geworden. Außerdem hatte ich noch immer die Worte des Levi´s Projektmanagers vom letzten Jahr im Ohr: Fashion first, on top of it die funktionalen Extras. Wird eine Marketing-Spielerei sein, lautete daher mein Vorurteil. Umso größer die Überraschung: Zum ersten Mal kam ich an diesem Abend mit einer Jeanshose trocken durch den Regen.

Als ich am Morgen den Test fortsetzte, war regelrecht Winterwetter eingekehrt. Die Weltstadtbewohner zeigten wie in der Provinz mit dem Finger auf mich, weil ich tatsächlich Fahrrad fuhr und einer rief mir zu: „Ist das nicht zu gefährlich?!“

Richtig gefährlich waren an diesem Tag Autofahrer, die trotz der schlechten Verhältnisse auf der Straße des 17. Juni eitel Rennen fuhren und kaum Rücksicht auf den einzigen Radfahrer weit und breit nahmen. Sie rasten dicht an mir vorbei und verspritzten ordentlich Matsch. Bei dieser Gelegenheit reifte mein Respekt für die Funktionalität dieser Hose noch mehr. Später war nicht einmal der Dreck sichtbar geblieben.

Apropos. Nicht nur das Wetter und die motorisierten Verkehrsteilnehmer, auch das Unterbewusstsein hat perfekt mitgespielt beim Commuter-Test. Einen Tag, bevor wir die Fotos machten, die hier zu sehen sind, kleckerte ich mir Schokolade auf die Hose. Vollkommen absichtslos natürlich, aber man kennt ja das Unterbewusstsein. Die NanoSphere®-Beschichtung funktionierte, wie versprochen. Ich wischte die Schokolade einfach mir einem nassen Schwamm ab. Und wie gehabt war die Hose gleich danach wieder trocken.

Über den am Hosenbein aufkrempelbaren reflektierenden Scotchlite™-Reflexstreifen verliere ich nicht zu viele Worte. Der erfüllt seine Funktion und sieht besonders nachts cool aus. Das extra aufgenähte Schlossband dagegen kann nur einem Mini-U-Lock im Werbeclip gefallen, das zur Diebstahlsicherung im echten Leben kaum angebracht ist. Mit dem sicheren großen Schloss ziehst du dir die Hose nach unten, die der Idee nach zudem modisch ohne Gürtel getragen wird. Meine Empfehlung wäre so etwas wie eine zusätzliche Schlaufe unterhalb des linken Hüftknochens, an der sich auch ein größeres Schloss auspendeln ließe.

Bevor man ein frisch erworbenes Kleidungsstück anziehen kann, müssen bekanntlich jede Menge kleiner Zettelchen entfernt werden. Auf einem dieser Papierchen stand: „For best results, wear as long as possible before washing.“ Ursprünglich wollte ich diese Hose auch kaputttragen, „for best test results“, sozusagen. Aber nach sechs Wochen habe ich mich dazu entschlossen, hier meine Testergebnisse zu veröffentlichen. Die beliebte Frage, ob die Funktion auch nach zahlreichen Wasch- oder Reinigungsvorgängen erhalten bleibt, muss aufgeschoben werden. Dazu kann ich in einem späteren Kommentar Stellung nehmen. (Mittlerweile erfolgt, siehe Kommentar unten.)

Vielleicht sollte ich nicht öffentlich machen, dass ich die Commuter in dieser Zeit bald täglich und immer auf dem Rad getragen habe, ohne sie nur einmal zu waschen. Andererseits könnte ich dann nicht berichten, dass auch die antibakterielle Hygienefunktion Sanitized® hält, was sie verspricht: Diese Jeans stinkt nicht.

Wer also die ganz oben genannten Voraussetzungen erfüllt, bekommt mit der Levi´s Commuter nicht einfach nur eine modische Fahrradjeans. Darüber hinaus überzeugt ihr funktionaler Komfort.

Text: wscher / Fotos: A. Jeltschin

Weitere Infos: Levi´s / Das könnte auch interessant sein: Levi´s Commuter Series Fall/Winter 2012 , Levi´s Commuter: Coole Jeans, funktionale Extras

Foto: A. Jeltschin / www.fahrradjournal.de

Foto: A. Jeltschin / www.fahrradjournal.de

Foto: A. Jeltschin / www.fahrradjournal.de

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