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Mit Bern Helmen gegen Hitchcocks „Vögel“. Brentwood und Berkeley im Islandtest

Foto by wscher 2013 / www.fahrradjournal.de  Die „Hitchcock“-Erfahrung

Niemals aus Pflicht, sondern immer freiwillig pflegt fahrradjournal den modischen Radhelm. Wer sich nach Alternativen zum sportlichen Helm umschaut, findet eine Reihe Produkte, die, so hübsch sie sind, Abstriche an Sicherheit bedeuten. Weil sie gängige DIN-Normen nicht erfüllen, verstehe ich sie als Hutmode für Radfahrer. Die Bern Hartschalenhelme, um die es im Folgenden geht, ignorieren weder die DIN-Norm EN 1078, noch den modischen Aspekt. Gemeinsam mit meiner Frau hatte ich Gelegenheit, zwei dieser Radhelme auf Island zu testen.

Abgesehen von Stürzen gibt es zwei spezielle Gründe in Island einen Helm zu tragen: Zum einen wird vor Steinschlag gewarnt. Dieses archaische Test-Abenteuer blieb uns erspart. Dafür bekamen wir es mit der „Hitchcock“-Erfahrung zu tun. Denn auf Island gibt es einsame Küstenstraßen, die durch die Brutgebiete von Seeschwalben führen. An Autofahrer sind diese Vögel gewöhnt. An Radfahrer nicht. Außerdem ist man auf dem Fahrrad schutzloser als im Auto. Also flogen sie fortwährend ihre Angriffe, immer direkt auf unsere Köpfe. Meine Theorie, dass die Vögel das Schutzlose angreifen, wurde durch das gnadenlose Herumpicken auf die Köpfe umstehender Schafe gestützt. Die Schafsköpfe trugen keine Bern Helme, wir schon. Deshalb mussten wir auch nicht so hysterisch mit den Armen fuchteln wie einst Tippi Hedren in dem Film „Die Vögel“. Beim Radfahren soll sich heftiges Armwedeln ja auch ungünstig auf das Gleichgewicht auswirken.

 

Von der rechten Anpassung

Vielleicht hätten wir uns auch für das „Hitchcock Graphic“ eines „Bern Allroundhelm Watts“ entscheiden sollen, auf dem tatsächlich ein paar Vögel abgebildet sind. Stattdessen verließen wir uns auf den „Brentwood“ und den „Berkeley“. Beide liegen preislich um 80,00 Euro. Der eine glänzend weiß, der andere matt grau. Mit dem Berkeley glaubte meine Frau dem rosa-violetten Farbzwang entkommen zu sein, der unbeirrbar durch die sportlichen Radbekleidungskollektionen und Fitness-Accessoires geistert. Weit gefehlt: Das Inlay mit Flip Visor zum Helm kam in lila.

War lila ihr unabänderliches Schicksal? Nein. Beide Bern Helme bestehen aus einer Hartschale (Zip Mold) und einem gepolsterten Innenfutter mit Blendschutz. So könnte es im Winter zum Beispiel mit einem Inlay aus Kunstfell oder Baumwollstrick getauscht werden. Deshalb konnten wir das violette durch ein schwarzes ersetzen. Das brachte die Welt progressiver Naturen wieder in Ordnung.

Das Auswechseln ist bei diesem Helm übrigens keine Kinderüberraschungseibastelarbeit und konnte mit vier Knöpfen und ein bisschen Klett in wenigen Sekunden ausgeführt werden. Die stufenlos verschiebbaren Riemenführungen und der Kinnriemen waren gut zu fixieren. Es gab keine Probleme letzte Größeneinstellungen am Hinterkopfversteller des Inlays vorzunehmen: Dieser Helm saß fest.

 

Schwerelos ins Abenteuer

Für die Herausforderung „nach dem Berg ist vor dem Berg“ boten beide Helme eine angenehme Kopfbelüftung und zeichneten sich durch ihre Leichtigkeit aus. Meine Frau hielt dafür ein besonderes Lob vor, das etwas nach Werbespruch klingt: „Man vergisst, dass man einen Helm trägt“, sagte sie. Laut Herstellerangaben wurde der Berkeley ja auch „speziell für die Anforderungen von Frauenköpfen entwickelt“, ein Satz, der ein gewisses Potenzial birgt. Doch Frauenkopf hin, Männerkopf her. Bezüglich Komfort und Ästhetik (und bei gleichzeitigem Sicherheitsversprechen) sind die fahrradjournal-Tester mit beiden Helmen völlig unbeschwert durch das letzte Abenteuer dieser Erde gekommen. Und weil es Bern Helme in urbaner Kulisse bereits in dem bescheidenen Kinofilm „Premium Rush“ zu sehen gab, haben wir die Stadthelme für unsere Fotosession einmal mitten in die isländische Landschaft gesetzt.

Text: wscher / Fotos: wscher / A. Jeltschin

Info: www.bernhelme.de

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