Foto: wscher / www.fahrradjournal.deAuf der letzten Berliner Fahrrad Schau 2013 traf ich Kieran Riley, seit drei Jahren Head of Sales & Marketing für Europa beim Bekleidungshersteller Rapha. Gute Gelegenheit, ein paar Fragen über das Brand loszuwerden, das seit einigen Jahren Erfolg mit stilsicherer Performance Wear feiert und im Übrigen fleißig am Kult des Radsports strickt.

 

Kieran, erzähl doch einmal die wahre Geschichte von Rapha.

Rapha wurde 2004 von Simon Mottram in London gegründet. Der war ein ganz normaler Radfahrer so wie du und ich. Aber mittags hatte er immer Lust zum Shoppen. Er ging in die Radladen rein und wollte sich was Schönes kaufen. Da gab es tolle Rahmen und Laufräder. Was harte Waren anging, kein Problem. Aber Simon war sehr stilbewusst, hatte ein Auge für Design. Er trug gern maßgeschneiderte Anzüge, und er fragte sich, wie kann das sein? Ich gehe in einen Radladen und da gibt es nur diese grottenschlechten und hässlichen Klamotten? Entweder nur technische Bekleidung oder diese bunten Retrosachen. Das hat ihn überhaupt nicht angesprochen. Er hat gesehen, da ist eine Marktlücke, da könnte ich vielleicht etwas machen. Und weil er viele Jahre in Branding- und Design-Agenturen gearbeitet hatte, machte er sich an sein eigenes Konzept. Ein paar Jahre lang feilte er an seinem Businessplan, dann suchte er sich Investoren. So wurde Rapha gegründet.

Es fällt auf, wie sehr Rapha an der Legende des Radsports strickt und dabei einen richtigen Kult um die Marke aufgebaut hat. Wie gelang das?

Das gelang, weil wir das aus Leidenschaft machen. Wenn in London fünfzig Mitarbeiter bei Rapha arbeiten, dann fahren mindestens neunundvierzig davon mit dem Rad zur Arbeit. Alle, die bei Rapha arbeiten, sind radsportverrückt. Unsere Liebe zum Detail funktioniert auch nur, wenn man selbst das Radfahren liebt. Das machst du nicht aus Geld, sondern weil es dir Spaß macht. Und ich weiß, wenn es mir Spaß macht, dann macht es auch anderen Spaß.

Foto: Rapha / www.rapha.ccMacht ihr eigentlich alles selbst?

Wir machen das größtenteils inhouse in London, vom Design bis zum Webauftritt. Normalerweise arbeiten wir auch nicht mit Agenturen. Erst in den letzten Monaten, wegen dieser Team Sky-Geschichte, deren Ausstatter Rapha ist. Ansonsten bleibt alles in der Familie.

Offenbar selbst das Modeln. Kürzlich hat mir jemand erzählt, als er bei Rapha in London hereinschneite, saßen da im Büro all diese Typen aus den Filmen rum …

Natürlich. Aber nicht immer. Wenn es etwa um die Continental-Filme geht, da gibt es eine Gruppe von Radfahrern. Da geht es um Kameradschaft, um eine schön Ausfahrt, aber auch um hartes, schnelles Fahren. Ich habe ja gesagt, dass wir radsportverrückt sind. Und da sind einige sehr talentierte Fahrer darunter, nimm nur Art Director Ultan Coyle, der 2012 das 24-Stunden-Rennen von England gewonnen hat.

Es gibt nicht nur Performance Wear, sondern auch urbane Kollektionen von Rapha.

Es gibt die City Riding Kollektion. Da haben wir verschiedene Kollaborationen gemacht. Mit Paul Smith zum Beispiel oder mit Christopher Raeburn 2013. Die sind sehr beliebt bei den Kunden. Das funktioniert, weil man nicht nur Radfahrer ist, wenn man auf dem Rad sitzt, sondern weil das ein Lebensstil, ja eine Lebensentscheidung ist. Wenn man mit dem Rad zur Arbeit pendelt oder abends ins Restaurant geht, kann man diese Sachen gut anziehen. Und dann ist das natürlich immer auch ein Statement, was Design, Sport und Leidenschaft angeht.

Foto: Rapha / www.rapha.cc Neben den verschiedenen Kollektionen gibt es sogar eine Hautpflegelinie, darunter eine eigene Rapha-Seife. Hat da schon mal jemand gesagt: Kommt Leute, das geht jetzt aber zu weit?

Man kann sicher darüber diskutieren, aber uns macht das einfach Spaß. Es gibt einige Kunden, denen können und wollen wir alles bieten. Aber was wir gar nicht wollen: Ein Produkt für möglichst viele Leute machen. So eine Marke sind wir eben nicht.

Wird sich das nicht ändern, jetzt, wo Rapha Ausstatter von Team Sky geworden ist?

Da geht es natürlich mehr in die Breite. Dafür haben wir verschiedene Preispunkte angeboten. Du kannst genau das kaufen und fahren, was Bradley Wiggins momentan trägt. Aber es gibt auch ein T-Shirt für den ganz normalen Fan, der da an der Straße stehen will, das kannst du für 20,00 Euro haben.

Wie schätzt du die Entwicklung der Fahrradmode ein. Wird es weitere Marken geben? Wo geht der Trend hin?

Letztes Jahr kam Levi´s dazu, dieses Jahr H&M. Das wird so weitergehen. Ich hoffe aber, dass man mehr von den kleinen Firmen sieht. So wie Rapha oder Café du Cycliste, solche Firmen finde ich schön. Was Trends angeht, kommen sehr viele Kollaborationen, also die Frage, wie kann man gemeinsam mit Künstlern zusammenarbeiten? Mit Fotografen, Designern, Juwelieren oder auch Architekten.

Ein Thema für uns dieses Jahr heißt: Made in England. Unsere Lederhandschuhe etwa werden in England gemacht, auch die Kollaboration mit Christopher Raeburn wird komplett in England produziert, ebenso sehr viele Sachen von der Team Sky Kollektion. Sodann produzieren wir in Italien und Portugal. Aber an China kommt man auch nicht vorbei.

Foto: Rapha / www.rapha.cc Gibt es eine Zukunftsvision bei Rapha?

Wir werden machen, was wir immer gemacht haben. Wir wollen sorgfältig wachsen,  nicht unbedingt an jeder Straßenecke präsent sein und eine gewisse Exklusivität bewahren. Und natürlich wollen wir Spaß an der ganzen Sache haben.

Rapha-Produkte gibt es online zu kaufen oder wenn man Glück hat, auf einem Jedermannrennen. Seltener dagegen in Fahrradläden. Wann blüht uns endlich der Rapha Shop?

Was die Radläden angeht, da es gibt wenige, wo man wirklich sagen kann: Da passt Rapha rein und die uns dann auch noch eine ausreichende Fläche zur Verfügung stellen. Und dann weiß nicht jeder, wie man eine Marke präsentiert oder eine Geschichte erzählt. Also machen wir es lieber gar nicht und warten, bis wir es selber machen können.

Neben unseren Läden in London, in San Francisco und Osaka, wird es also sicherlich noch einen Laden geben. Ob das nun in Berlin, Amsterdam oder Paris sein wird, das wird kommen. Ich schätze aber nicht im Jahre 2013.

Interview: wscher / Fotos: wscher / Rapha

Weitere Infos: Rapha-Website

Foto: Rapha / www.rapha.cc

 

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