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Regenschirm macht glücklich

Foto: wscher / www.fahrradjournal.dePassend zum Wetter – viel Sonne und kurze Regenschauer – war der Herausgeber des fahrradjournals heute wieder einmal mit einem ungewöhnlichen Accessoire unterwegs: senz6 – einem Regenschirm (auch) fürs Fahrrad. Ich weiß, bevor wir damit auch nur einen Fuß in die Pedale setzen können, dürften sich bereits deutsche Hobbyingenieure gefunden haben, die allein anhand der Bilder die Funktionalität des Gegenstandes widerlegen möchten. So todsicher theoretisch gedacht habe ich dafür Verständnis. (Der Regen im Fahrtwind etc.) Manchmal muss man der Sache aber doch auf den Grund gehen. Und dann entdeckt man Funktionen, die man bei aller kritischen Fehlersuche gar nicht auf dem Schirm hatte.

Der erhoffte Regenschauer war leider gerade vorüber, Sturmböen waren auch nicht in Sicht. Aber als die Sonne herauskam, verwandelte sich der Schirm in einen netten Sonnenschutz. Auch das ist sicher noch vorhersagbar. Doch auf der Fahrt entdeckte ich schließlich eine Funktion, die man vielleicht in zukünftigen Entwicklungen viel selbstverständlicher mit einbeziehen sollte. Es handelt sich um nichts Geringeres als das Glück!

Eigentlich kann man in Berlin kaum noch jemanden mit irgendetwas beeindrucken. Heute aber blieben die Leute überall stehen, wo ich mit dem Regenschirm auf dem Rad vorüberkam. Auf ungläubiges Staunen folgte in 99 Prozent aller Fälle ein lachendes Gesicht. Und weil das natürlich auf mich zurückwirkte, wurde mir schließlich klar, dass auch das kommunikative Glücklichmachen die Funktion eines Produktes sein darf. Diese Funktion lässt sich nicht immer berechnen und wird erst in der Interaktion mit der Umwelt erfahrbar.

Für den Großstadtflitzer, für den jedes Bremsen so etwas wie eine persönliche Niederlage ist, wäre das Accessoire wohl ungeeignet. Für diesen urbanen Helden gibt es ja bereits diverse Regenbekleidung. Meine Testfahrt war eine gemütliche Spazierfahrt durch den Schlosspark Charlottenburg und durch anliegende Straßen. Die Regentropfen klopften ab und zu von den Blättern aufs ungewöhnliche Dach. Und ich denke, das wird wohl das Szenario für dieses Accessoire sein: Gemächliches Tempo und Regen, der senkrecht vom Himmel fällt. (Damit der Test auch komplett ist, werde ich später nochmals dazu kommentieren.)

Davon unbenommen kann der Schirm natürlich auch in die Hand genommen werden. Und zwar gerade wenn es stürmt. Denn dessen Geschichte begann angeblich vor zehn Jahren an einem regnerischen und stürmischen Tag in Holland. Demnach soll es Gerwin Hoogendoorn auf drei geschrottete Schirme in einer Woche gebracht haben, als er beschloss, Schirme zu entwerfen, die strapazierfähiger sind. Dank ihres funktionalen Designs sollen sie jede Wetterlage beherrschen können, und damit Sinn („senz“) machen. Entwickelt an der Technischen Universität in Delft, soll der Schirm Schutz bei bis zu Windstärke 10 oder annähernd 100 km/h Windgeschwindigkeit bieten. Die asymmetrische Form soll das Überklappen verhindern. Um den Style für die Kollektion kümmerte sich der japanische Mode-Designer Yoske Nishiumi. In insgesamt sechs unterschiedlichen Designs gibt es den automatischen senz6 Schirm, das mechanische Pendant in drei Farbvariationen. Weitere Infos unter: www.senz6.com

Text und Fotos: wscher

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