Rapha Deep Winter Tights / Foto: Rapha / www.rapha.cc

Wintertraining: Rapha Deep Winter Tights

Foto: Rapha www.rapha.cc

Reden wir zuerst nicht über die Funktion, sondern über Mode und individuelle Ansprüche, soweit sie bei Konfektionsware überhaupt eine Rolle spielen. Komme ich mit meinen Rapha Winter Tights zum Beispiel in das „größte Zweirad-Center Deutschlands“, werde ich gleich angesprochen – von einer Kundin. „Diese Hose sitzt einmal! Gerade so eine Hose suche ich doch. Und ganz ohne Sitzpolster? Perfekt!“ – „So eine Hose haben wir hier aber nicht“, kommentiert beleidigt der Verkäufer. Er rümpft natürlich die Nase über den Einbruch von Snobismus in seinem überschaubaren Sortiment. Dann erkundigt sich die Frau nach dem Preis. „250 Euro?!“ Ihre Kinnlade sinkt herunter. Warum kommen wir sonst in die Fachmarktkette.

Diese Begegnung drückt bereits drei wesentliche Merkmale der Rapha Trägerhose aus: Ihre Passform ist hervorragend, sie hat Stil – und der Preis dafür ist nicht ohne. Was die fehlende Sitzeinlage angeht, halte ich es, wie jene Dame: Ich will gar keine.

Die Aufgabe ist natürlich eine andere. In das Zweirad-Center kam ich auf meinem Rückweg von den bescheidenen Hügeln Berlins. Die fahre ich in letzter Zeit immer hoch und runter. Für Alpinisten ist das albern. Zu meiner Entschuldigung sage ich, dass ich mir dabei keinen Crosser leiste, weil das Retrorennen im Sommer den nicht erlaubt. Stattdessen trainiere ich auf einem Path Racer mit Sturmey-Archer-Dreigangnabe. Immerhin wies mich ein Veteran des Berliner Radsportverbandes kürzlich darauf hin, er habe seine Rennen früher nur so gewonnen. Und da draußen an der Havel sind noch ganz andere Typen mit viel merkwürdigeren Fahrrädern unterwegs. Also los.

Ich muss im Winter trainieren, solange die Straßen nicht großflächig vereist sind. Und zwar an extra miesen kalten Tagen ganz wie im Rapha Video (s. unten). Die passen zum funktionalen Versprechen der Deep Winter Tights. Die Vorderseiten der Beine sollen aus winddichtem Material bestehen. Der Sitzbereich aus abriebfestem Material, das wasserabweisend ist. In kurzen Regenschauern hatte ich damit keine Probleme.

Fiel das Thermometer jedoch ein paar Grad unter null, war ich mit der Isolation nicht mehr hundertprozentig zufrieden. Dabei hätte so ein „Deep Winter“ in Berlin noch einmal eine ganz andere Qualität. Die Empfehlung lautet ja: Erst die Bike Shorts, darüber die Deep Winter Tights. Ich fügte lieber noch lange Socken hinzu und massierte die Beine mit wärmendem Öl ein. Genau zwischen Abschluss von Shorts und Socken, wo die Haut ohne weitere Schicht auf dem Fleece-Innenmaterial lag, spürte ich den Winter. Dagegen urteilte kürzlich jemand in unserer Bike Fashion Gruppe auf Facebook: „Die Dinger sind großartig. Über null Grad aber zu warm.“ So ist der Wärmehaushalt eben individuell unterschiedlich und mein Urteil nicht absolut.

Ein reflektierender weißer Streifen ist an der Rückseite der linken Wade eingefügt. Darüber haben sich bisher übrigens nur die Engländer beschwert. Oberhalb des Sitzbereiches ist das nette Wort „Wheelsucker“ aufgedruckt, allerdings viel zu klein, um einem Hintermann auf diese Weise die Zunge rauszustrecken. Wenn ich in dem Miesepeterwetter da draußen überhaupt jemandem begegnet bin, haben wir uns immer freundlich gegrüßt. Und natürlich – den Stil des anderen bewundert.

Text: wscher: Video und Fotos: Rapha

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