Urban Knitting
Brav zu Hause sitzen und stricken war nicht das Bild, für das Frauen einmal aufgebrochen waren, die Welt zu verbessern. Gestrickt wurde unabhängig davon. Mit einer Jahrhunderte alten Kulturtechnik hat die Mutti den Papi mit Socken versorgt. Deren Kinder wärmten sich in selbst gestrickten Pullovern die winterlichen Protestspaziergänge nach Brokdorf. Von den Hippies bis zu den frühen Grünen waren irgendwann sogar Männer beim gemütlichen Fingersport zu beobachten. Insofern hat der Wollfaden die Vertreter der herrschenden Kultur wie die der Subkultur auf entlarvende Weise miteinander verbunden, zumindest was deren Sehnsüchte betrifft. Wer hätte da gedacht, dass der weiche Stoff einmal mit so kriegerischen Worten wie „Guerilla“ und „Bomben“ in einem Begriff zusammenkommt. Seit Magda Sayeg 2005 in Houston Texas die ersten Türklinken einkleidete und dann die Stadt bunt zu stricken begann, ist immer öfter von Guerilla Knitting und Yarn Bombing die Rede. Andere Bezeichnungen sind Urban Knitting und Knit Graffiti. Auf Sayegs Website sind – nach einem kaleidoskopartig farbschönen Intro – die aktuellen Strickprojekte zu bewundern. Seit etwa zwei Jahren greift die öffentliche Stricklust auch in Deutschland um sich und trifft hier durchaus auf Fahrradkultur.
Ein bisschen erinnerte das Bild an ein Märchen, als Ruta Sluskaite und Freundin auf der Berliner Fashion Trade Show PREMIUM mit dem Einstricken eines „ELECTRA-Bikes“ beschäftigt waren. Vielleicht sorgten sie damit für Entschleunigung inmitten des quirligen Stroms modeaufgeregter Menschen. Das Fahrrad, das schon seit seiner Erfindung (als Ersatz und Konkurrenz zum Pferd oder Esel) mit so zweifelhaften Namen wie „Stahlross“ und „Drahtesel“ lebt, wurde dabei um den Namen „Stahlschaf“ bereichert. Vor einem Geschäft in Berlin-Friedrichshain ist ein ebensolches zu bewundern. Das ist kein Zufall, denn Fahrrad-Strickerin Sluskaite ist im wirklichen Leben Inhaberin von „wollen berlin“. Neben Wolle und Zubehör bietet der Laden handgemachte Mode und Do-it-yourself-Workshops an. Nach eigenen Angaben unterstützt man „junge Berliner und nordische Labels, indem ihre handgemachten Produkte zu bezahlbaren Preisen verkauft werden.“ Das Stahlschaf, das im Verlauf der Modemesse in den Farben der Berliner Fahrrad Schau eingestrickt wurde, wird auf eBay für einen guten Zweck versteigert. Der Erlös geht an BETTERPLACE.ORG. Damit soll der Kauf von Fahrrädern für benachteiligte Kinder in Berlin finanziert werden. Das Stahlschaf wird dem Gewinner der Auktion von Schauspieler und Moderator Ole Tillmann auf der Berliner Fahrrad Schau überreicht. Über die Tatsache, dass das Stahlschaf unten drunter Alu trägt, sollte mit einem Augenzwinkern hinweggesehen werden. Die Auktion läuft noch bis zum 29. Januar.
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Radio
The Bike Show ist eine Radiosendung, die seit 2004 vom Londoner Sender Resonance 104.4fm ausgestrahlt wird. Letzte Woche war dort Graeme Obree zu Gast. Die Geschichte des schottischen Bahn- und Straßenradrennfahrers wurde 2004 unter dem Titel „The Flying Scotsman“ verfilmt. Ansonsten einfach mal durch das Archiv von The Bike Show browsen.
Velo Berlin
Die Fahrradmesse Veloberlin, die vom 24. bis 25. März stattfindet, hat ein Ausstellerverzeichnis veröffentlicht.
Urlaub
Jetzt den Radurlaub planen! Das Verzeichnis „Bett+Bike“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist neu erschienen. Es listet 5.200 fahrradfreundliche Unterkünfte vom Sterne-Hotel bis zum Campingplatz. Vom ADFC ausgezeichnete Gastbetriebe sind an der Bett+Bike-Plakette oder -Fahne zu erkennen. Besonders markiert sind erstmals Unterkünfte mit Gastronomieangebot. Das Bett+Bike-Verzeichnis 2012 gibt es u. a. über www.bettundbike.de. (Ab Februar im Buchhandel für 7,95 Euro.) Auf der genannten Website können Radurlauber ebenfalls nach der passenden Unterkunft suchen – sortiert nach Namen, Ort, Postleitzahl, Radfernweg oder touristischer Region.
Snob
Wirklich intelligent und belesen sei er, sagte Lance Armstrong über Eben Weiss. Und er hätte auch kein Problem, vier Stunden mit ihm auf Tour zu gehen. (Quelle: Jason Gayo, The Wallstreet Journal, Cycling’s Mystery Man Shows His Face) Das Bloggen brachte Weiss u. a. eine monatliche Kolumne in dem US-Radsport-Magazin „Bicycling“ ein. Aber die ersten Jahre zog es Eben Weiss vor, anonym unter dem Namen Bike Snob NYC zu schreiben. Erst als es an die Promotion-Tour seines ersten Buches ging, outete er sich. Nach eigener Einschätzung „ein normaler Typ“ und ein „mittelmäßiger Rennfahrer“. Als er 2007 zu bloggen begann, wollte er einfach etwas mehr gesunden Menschenverstand in die Welt des Amateurradsports bringen. Dort, wo Amateure Tausende von Dollar für „unnötige Ausrüstung“ ausgäben. Da sei es wichtig, dass es eine Stimme gibt, die sagt, du brauchst das nicht. Nach “Bike Snob: Systematically and Mercilessly Realigning the World of Cycling” (2010) wird ein neues Buch vom Bike Snob herauskommen, das hauptsächlich auf sogenanntes „Commuting“ Bezug nimmt. Rücksichtslose Fahrer, weit geöffnete Autotüren, gedankenverlorene Fußgänger, aggressive Mitradler. Von den Todsünden beim Fahrradfahren bis hin zu den rechten Taktiken mit Autos, Fußgängern und anderen Zweiradfahrern umzugehen. „Gleichermaßen Pflichtlektüre für neue wie für erfahrene Radler“, behauptet zumindest der Verlag. Das Buch soll im März in den USA bei Chronicle Books erscheinen und trägt den restlos überzeugenden Titel: „The Enlightened Cyclist : Commuter Angst, Dangerous Drivers, and Other Obstacles on the Path to Two-Wheeled Transcendence.“ – fahrradjournal sagt schon mal Om! Link zum Snob.
wscher
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