Eine Woche Fahrradkultur +++ Eine Woche Fahrradkultur +++ Eine Woche Fahrradkultur
+++ Deutschlandradio Kultur brachte in seinem Radiofeuilleton den Beitrag „Mobiltelefone gegen Chaos auf Straßen – Moderne Technik soll Verkehrsmittel vernetzen“. Die Vision der Intermodalität im individuellen und öffentlichen Personenverkehr wurde bereits auf dem „Kongress Metromobile“ Anfang des Jahres gefeiert. Die Frage, warum ein Fahrradverleihsystem ausgerechnet von einem Monopolisten wie der Deutschen Bahn und nicht beispielsweise von einem Netzwerk klein- und mittelständischer Unternehmen angeboten wird, wurde damals nicht gestellt. Ebenfalls nicht en vogue die Frage danach, ob alle Gesellschaftsschichten so locker überall ein- und auschecken oder ob die behauptete „Intelligenz“ nicht den sogenannten Expeditiven und Performern vorbehalten bleibt. Solange es keine diebstahlsicheren Fahrradparkplätze oder -parkhäuser an Bahnhöfen gibt, kann man das eigene Rad auch nicht davor stehen lassen. Es sei denn, das „persönliche Verkehrsmittel“ wird vom Baumarkttypus her gedacht. Das Skript zur Sendung kann nachgelesen werden. +++
+++ Gelangweilt von der Eintönigkeit des Spazierengehens, unternahm der Philosoph Jean-Paul Sartre gerne Radtouren. So liebte er es, bergauf zu sprinten. Seine Freundin Simone de Beauvoir hechelte etwas abgeschlagen hinterher. Über diese Touren schrieb sie später: „Wenn Sartre sich morgens aufs Rad schwang, dann schlief er mit offenen Augen immer noch so fest, daß er regelrecht über die Lenkstange schoss.“ Und: „Auf ebenen Strecken radelte er so sorglos dahin, daß er oft im Straßengraben landete.“ Er hätte an etwas anderes gedacht, erklärte er ihr dann. Für Beauvoir selbst bedeutete das Radfahren ein Vergnügen, das sie gerne gegen ihre frühere Leidenschaft, das Wandern, eintauschte. Und mehr noch: Die Initiation in den Tod. Als sie bei einer „rasanten Abfahrt“ zwei Radlern auszuweichen versuchte und an den Straßenrand geschleudert wurde, sah sie den Tod aus nächster Nähe und notierte: „… und plötzlich schien das Sterben unfaßlich leicht.“ Diese eher anekdotische Heraushebung wird der „Cyclomanie – das Fahrrad und die Literatur“ von Elmar Schenkel vielleicht nicht ganz gerecht. Seit vielen Jahren hat sich der Autor mit der Verbindung und dem Widerspruch zwischen Fahrrad und Literatur beschäftigt. Herausgekommen ist ein Essay, das die Beziehungen „zwischen dem energetisch besten Fahrzeug des Planeten und der Welt der Wörter“ beleuchtet. Von der übergründlichen Fahrradphilosophie eines Eduard Bertz, bis hin zu durch das Fahrrad inspirierten Literaten wie Mark Twain, Emile Zola, Lew Nikolajewitsch Tolstoi oder Samuel Beckett. Die Cyclomanie mit ihren Zitaten und Verweisen gehört zur Grundausstattung eines jeden an Fahrradkultur Interessierten. Wer den Autoren, der in Leipzig englische Literatur lehrt, auch einmal live erleben möchte, kann das auf der Berliner Fahrrad Schau. Elmar Schenkel liest am Sa, den 3. März 2012 am Gemeinschaftsstand der Blogger aus seinem Buch. Elmar Schenkel: Cyclomanie. Das Fahrrad und die Literatur. Edition Klaus Isele, Eggingen 2008, 173 Seiten, 13,00 EUR. +++
+++ Schauen, wer dabei ist. Die Berliner Fahrrad Schau hat ein erstes Ausstellerverzeichnis veröffentlicht. +++
+++ Wer den Charity-Gedanken jetzt oder auch nach den Feiertagen pflegen möchte, sei auf http://www.fahrraeder-fuer-afrika.de/ verwiesen. +++
+++ Der Erfinder und Fahrrad-Designer Dieter Senft ist mit seinem Riesenfahrrad bei allen großen Radrennen anwesend. In seinem Teufelskostüm feuert „El Diablo“ die Rennfahrer an. Im Jahre 2004 eröffnete Senft in Storkow ein Museum mit 17 Rädern, für die er ins Guinnessbuch der Rekorde kam, sowie weiteren 120 Radkuriositäten. Was Didi Senft sich zu Weihnachten ausgedacht hat, war eigentlich hier zu sehen. Doch pünktlich zum Fest steht da gerade “Dokument nicht gefunden”. Schade. An dieser Stelle verabschiedet sich die fahrradwoche für 2011 und geht in eine kleine Winterpause. Weiter geht es mit der fahrradwoche 2/2012 am 8. Januar. Allen Leserinnen und Lesern schöne Feiertage, bergeweise Geschenke und eine gute Fahrt! +++
wscher
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Veranstaltungshinweise für die fahrradwoche? E-Mail an: redaktion@fahrradjournal.de
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