fahrradwoche 46 / www.fahrradjournal.de / Foto: wscher

fahrradwoche 46

+++ Eine Woche Fahrradkultur +++  Eine Woche Fahrradkultur +++ Eine Woche Fahrradkultur +++

+++ Mit Ausblick auf die 46. Woche startet fahrradjournal eine wöchentliche Vor- und Rückschau. Eine Woche Fahrradkultur – als kleine und subjektiven Auswahl. +++ So fand vor wenigen Tagen ein unterhaltsames Gespräch im SWR-Radio statt: „Hoppla, jetzt komm ich – Wie der Fahrrad-Boom den Verkehr verändert“. Mit Esprit und Geschichtswissen diskutierten der Dresdner Verkehrsplaner Prof. Dr. Gerd-Axel Ahrens, der Wiener Verkehrswissenschaftler Prof. Dr. Hermann Knoflacher sowie der Technikhistoriker Dr. Kurt Möser aus Karlsruhe. Dabei erinnerten sie u. a. an den Straßenkrieg um die Jahrhundertwende. Damals gingen Radfahrer noch mit Peitschen gegen Hunde und die sie verfolgenden Kinder vor, während Dörfler ihrerseits die Fahrradfahrer mit Steinen bewarfen. Das war zu einer Zeit, bevor der öffentliche Raum in eine Fahrbahn verwandelt wurde. Das Gespräch kann nachgehört werden. +++

+++ Gemischte internationale Kost wird unter dem Titel Bike Shorts auf dem 27. Internationalen Kurzfilmfestival Berlin im Programm Delikatessen serviert. Hier eine kleine Auswahl: Aus dem Helmpflichtland Australien kommt Alexander Watkins mit einer Warnung für alle Priester und Autofahrer. Wie eine Seuche breiten sie sich nämlich aus, und es werden immer mehr: Velovampire! Kurze Clips, zu sehen in „Once Bitten – A Vampire Conspiracy“, Part I – III. +++ Die Dokumentation „YAC – New York Bike Messenger“, ursprünglich „America’s Heart and Soul” aus dem Jahre 2004, ist eine Party für das urbane Ego. Jedenfalls dürfte John „Yac“ Yacobellis mit seinem Fahrstil noch heute jeder Projektion über heimische Kampfradler den Wind aus den Segeln nehmen. Hoffen wir nur, der Typ lebt noch. +++ Erinnert an Filmexperimente der Zwanziger und mit „The Cyclotrope Experiment“ ebenfalls dabei: Tim Wheatley. Seine Animationen mit bzw. auf dem Rad sind auch auf seinem Blog zu sehen. +++ Außerdem: Ein sympathisches, vierzehnminütiges Porträt der Wiener Bike Kitchenunter dem etwas akademischen Titel „Bike Kitchen – a filmic approach“.

Weiterer Bike Shorts-Film: We've got it on tape, Brendan McNamee, England, 2010 / Foto: interfilm

+++ Mit 23 Minuten der längste Film der Bike Shorts ist „Fanatic“ von Paul Robinson. Der Regisseur wird bei der Vorstellung am Sonntag anwesend sein. Im Pressetext zum Film heißt es: „Der kleinwüchsige Daniel lebt und arbeitet als Fahrradkurier in Barcelona. Eine zufällige Begegnung hilft ihm, die ihm täglich begegnenden Vorurteile richtig einzuordnen.“ +++ Und selbst Danny MacAskill, der für „Way back home“ gerade den 15-millionsten Klick im Internet verbuchte, überwindet noch einmal auf der Kinoleinwand die Schwerkraft. Der Song zum Film von Loch Lomond ist zwar etwas morbid („You lie helplessly still as your face falls apart. With wax and wires and hair from the back of your head. Well I can make your face brand new” – nichtsdestoweniger passend. +++ Diese und weitere Delikatessen sind nicht gerade Premieren. An dieser Stelle also eher ein Plädoyer für das Kino und die Begegnung offline. Die Bike Shorts laufen am Do, 17.11., 21.00 Uhr im Roten Salon in Berlin Mitte und am So, 20.11., 17.00 Uhr im Neuköllner Kino Passage 1. Das ganze Programm ist hier zu finden. +++

 

 

 

 

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+++ „Nach den Strapazen in der Hölle des Nordens lechzen die Fahrer nach Balsam für den geschundenen Körper und den gequälten Geist.“ – „Noch quillt ihm Schlamm aus Nase und Ohren, aber: Er ist ans Ziel angekommen.“ – „Sein Körper ist in den Duschen angekommen, seinen Kopf hat er wohl auf der Strecke gelassen.“ Das sind Vorspanne und Bildunterschriften aus „Paris – Roubaix – Die Hölle des Nordens“, erschienen im Delius Klasing Verlag. Unser Kommentar: Vertraut der Fotografie und lasst das zusätzliche Texten! Ansonsten ein schöner Bildband mit durchaus informativen Artikeln, in dem man immer wieder blättern kann. +++

Cover: Fischer Verlag

+++ Wie aktuell ist „Talking Head“ David Byrne? Bald fünfzehn Jahre nach dem Entstehen mancher Texte präsentiert uns der Fischer Verlag die Übersetzung der „Bicycle Diaries“. Der „Klangerfinder und Geschichtenerzähler, Opernschreiber und Bildhauer“ (Pressemeldung) war auch in Berlin: „Wenn ich mit dem Rad in Berlin unterwegs bin, kommt mir alles sehr zivilisiert, angenehm und aufgeklärt vor. Auf den Fahrradwegen parken keine Autos, und die Radfahrer fahren weder auf den Straßen noch auf den Gehsteigen. Es gibt sogar kleine Ampeln nur für Radfahrer und Signale zum Abbiegen! (Radfahrer dürfen oft ein paar Sekunden früher abbiegen, um dem restlichen Verkehr zu entgehen.) Unnötig zu erwähnen, dass die meisten Radfahrer vor diesen Ampeln halten. Und auch die Fußgänger gehen nicht auf den Radwegen!“ Ein durchaus historisches Dokument. Die komplette Rezension der Diaries, die soeben erschienen sind, folgt nach. +++

+++ Die Prophezeiung überdachter Radwege hat sich nicht wirklich erfüllt. Ansonsten interessant nachzulesen, wo wir heute immer vom Boom des Fahrrades reden, was der „Spiegel“ so im Jahre 1980 darüber schrieb: Wonniges Dahingleiten, geschwind wie ein Pfeil +++

 

Spreeuferweg / Foto: wscher

+++ Seit letzter Woche endlich (wieder) romantische Ausblicke beim Spree-Uferweg im Schlossgarten Charlottenburg. Um diese Ausblicke zu verlängern, lohnt sich das Langsamfahren. Der Abschnitt ist nämlich nicht so lang. +++

+++ Neben der Urlaubsmesse Touristik & Caravaning International in Leipzig präsentiert sich in Halle 4 vom 18.11. bis zum 20.11. die Radmesse „abgefahren“. Im Rahmenprogramm u. a. Globetrotter Maximilian Semsch, der die 18.000 Kilometer Strecke von München nach Singapur auf dem Landweg geradelt ist. +++

+++ Bei den derzeit in Berlin laufenden Koalitionsverhandlungen haben wir die ganz großen verkehrspolitischen Themen, also die S-Bahn, die Fernbahnstopps am Bahnhof Zoo, das Straßenausbaubeitragsgesetz und die berühmte Autobahn täglich frisch mit der Morgenzeitung bekommen. Nur haben wir irgendetwas vermisst. Irgendetwas. Was war das nur? +++

wscher

Veranstaltungshinweise für die fahrradwoche? E-Mail an: redaktion@fahrradjournal.de


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1 Comment

  • hm, der Spiegel-Artikel macht mich nachdenklich. Das könnte ja auch fast alles heute geschrieben sein… über 28 Autos pro 100 Einwohner würde man sich heute jedenfalls sehr freuen…

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