Foto: wscher / www.fahrradjournal.de

Bike Shorts: „Nicht nur der coole Typ, der Stunts auf seinem Fahrrad macht“

Bald ist es wieder so weit: Am 15. und 18. November laufen im Rahmen des 28. Internationalen Kurzfilmfestivals Berlin die Bike Shorts. fahrradjournal sprach mit Kurator Christoph Schulz.

Foto: wscher / www.fahrradjournal.de

 

Christoph, wo sind die Bike Shorts im Programm des Kurzfilmfestivals einzuordnen?

Bike Shorts ist primär ein Filmprogramm im Rahmen des interfilm-Festivals, das im letzen Jahr erstmalig unter der Programmsparte Delikatessen stattfand. Darin werden Spezialprogramme zu einem bestimmten Thema oder Genre gezeigt: Ein Horrorprogramm, ein Experimentalfilmprogramm oder ein Programm, das eine spezielle Stadt beleuchtet.

Was ist die Idee hinter den Bike Shorts?

Es geht darum, eine bunte Mischung an Filmen zu zeigen, in einem speziell kuratierten Filmprogramm, wo es um das Thema Fahrrad, Fahrradfahren, Fahrradkultur und die filmische Darstellungsweise geht. Es sind nicht unbedingt die allerneuesten Kurzfilme zum Thema Fahrrad, so wie es bei den Wettbewerben wäre.

Liegt das etwa am Geld für die Lizenzen?

Interessanterweise muss man eher für ältere Filme Geld zahlen. Das liegt am sogenannten Festival Circuit. Wenn Filmemacher ihren Film herausbringen, versuchen sie ihn erstmal auf Festivals zu zeigen, damit möglichst viele Leute den Film sehen. Darüber hinaus ist die kommerzielle Auswertung beim Kurzfilm insgesamt viel geringer als beim Spielfilm.

Wie erfolgte die Auswahl der Filme?

Beim Kurzfilmfestival werden jedes Jahr ungefähr sechseinhalbtausend Filme eingereicht. Aber bei den Bike Shorts sind diesmal nur zwei von den zehn aus den Einreichungen. Der Rest war Recherche auf Filmfestivals, auf Fahrradblogs und was man von anderen so mitbekommt. Daraus folgte der Versuch, ein möglichst rundes Programm zu schaffen. Also nicht nur Bike-Messenger-Filme oder nur BMX-Videos. Sondern zu zeigen, was möglich ist, zum Thema Fahrrad.

Wo liegt der Unterschied zum letzten Jahr?

Letztes Jahr habe ich die Auswahl getroffen aus allem, was ich bis dahin kannte. Dieses Jahr hatte ich alles, was ich danach gefunden habe. In der Zwischenzeit gab es natürlich neue Filme. Ich habe auch neue alte entdeckt. Es gibt ein bisschen weniger Filme, dafür sind die Filme insgesamt ein bisschen länger. Auf jeden Fall kann man sagen, dass das Programm filmischer geworden ist.

Kannst du ein Beispiel dafür nennen?

Ein gutes Beispiel ist „Letter“ aus Belgien. Da geht es darum, dass ein junger russischer Radsportler nach Belgien kommt. Dort wird er von einem Dopingarzt betreut, der ihn für die Rennen fit macht. Für den Rennfahrer ist es das Ziel Paris-Roubaix zu fahren. Als es um die Gesundheitsgefahren bei den Spritzen geht, sagt er: „Was ist schon Krebs verglichen mit einem Sieg in Paris-Roubaix?“ Das ist ein sehr filmischer Beitrag.

Ist das Programm für ein besonderes Publikum gemacht?

Das Fahrradprogramm ist nicht für eine spezielle Szene gemacht. Sonst würde ich nur Kurierfilme zeigen oder nur Lehrvideos darüber, wie man sich als Fahrradfahrer im Straßenverkehr verhält. Es geht ja um Vielfalt. Und genauso wünsche ich mir, dass sich das auch im Publikum widerspiegelt. So kamen im letzten Jahr Fahrradkuriere direkt von der Arbeit mit steifen Beinen die Treppe hoch ins Kino. Aber es kamen auch Leute, die vermutlich gerade ihren Helm und ihre Warnweste abgenommen hatten. Und dann natürlich viele unserer Festivalgäste, die ganz allgemein Filmliebhaber sind.

Die Frage ist ja auch, wie kann ich gewisse Leute zusammenführen, die sonst nie zusammenfinden würden? Und Leute ins Kino holen, die sich für das Fahrrad interessieren, die auf Fahrradblogs unterwegs sind, sich aber bisher über das Medium Kurzfilm nicht allzu viele Gedanken gemacht haben. Kurzfilm ist eben nicht nur der coole Typ mit dem coolen Cappy, der coole Stunts auf seinem Fahrrad macht.

Das Interview führte Wolfgang Scherreiks

Fotos: wscher / interfilm / Trailer: Kenneth Mercken

Info: Die Bike Shorts laufen am Donnerstag, 15.11., 21.oo Uhr im Roten Salon in der Volksbühne und am Sonntag, 18. November, 17.00 Uhr in den Passage Kinos. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Veranstalters. fahrradjournal wird in den kommenden Tagen Näheres zu den Filmen berichten und außerdem Freikarten für die Bike Shorts über Facebook verlosen.

 

WERBUNG
[adrotate banner=“9″]

About the author

fahrradjournal

View all posts

4 Comments

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *