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Bike Style – Kreuzberger Familienalbum

Foto: David Breun / www.editionbraus.deNach Titeln wie „Cycle Style“, „Cycle Chic“ oder „Cycle Love“ – und während der Fotoband des Hamburger We are Traffci-Projekts weiterhin auf sich warten lässt – wurde im Frühjahr „Bike Style“ publiziert. Wir bitten Verlage, die nochmals in dieselbe Kerbe hauen, sich dabei aber über die Schlagwort- und Verwechslungsstrategie hinauswagen möchten, sich originellere Titel zu überlegen.

Eigentlich könnte man diesen oder jenen Fotoband kaufen, so ähnlich ist Grundkonzept wie Umsetzung: Gezeigt wird Mensch mit Fahrrad, hier und da ein paar Details vom Kultobjekt selbst. Die Dandy Biker aus „Cycle Style“ fanden sich mehrheitlich in England, die Deutschen aus „Cycle Love“ wollten eher „natürlich“ sein und ihre Geschichte erzählen. Im Gegensatz dazu verzichtet „Bike Style“ auf jegliche Kommentierung zu den Fotos selbst.

Dennoch kommt es in Begleittexten zu einer Reihe von Behauptungen aus einer eng fokussierten Selbstbespiegelungsperspektive. Angefangen bei der Klappe, die davon ausgeht, das Fahrrad sei Ausdruck des Lebensgefühls und der Selbstdarstellung „der meist jungen und urbanen Nutzer“. Tatsächlich geht das Radfahren natürlich durch alle Generationen. Und auch für „ältere“ Menschen ist das Fahrrad Ausdruck eines Lebensgefühls.

Ebenso wenig stellt der Fotograf hier eine „repräsentative Mischung moderner Radler und ihrer Styles“ vor. Vielmehr lassen die Fotos mehrheitlich und ganz einseitig an Berlin Kreuzberg denken, unterbrochen von ein paar Alibi-Fotos, darunter der berühmt-berüchtigte „Anzugträger“. Der kommt merkwürdigerweise so sehr 1990ies rüber, als wäre er von jemandem erfunden worden, der von pubertären, oberflächlichen Typisierungen lebt, um seine Peergroup von anderern abzugrenzen.

Auch der Style verweist häufig aufs Quartier, aufs Regionale. Doch Kreuzberger Provinz ist nun einmal nicht die Welt. Wer mit wachen Augen durch Berlin radelt, dürfte weit mehr Diversität bezüglich Stil und Typus entdecken. „Das Phänomen des modernen Radfahrers“ (Klappentext) haben mir diese Fotos jedenfalls nicht ergründet. Zumal die Moderne ja auch sehr lange her ist. Vielmehr hinterlässt das Buch den Eindruck eines kleinen, netten Familienalbums. Wer dabei ist oder sich zur Familie zugehörig fühlt, wird schließlich seine Freude daran haben. Warum auch nicht.

Text: wscher / Cover: Edition Braus

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Bike Style, Fotografien von David Breun, Format: 19 x 24 cm, 120 Abbildungen, 128 Seiten, Flexocover, 19,95 EUR, www.editionbraus.de

Vorstellung ähnlicher Fotobände hier im fahrradjournal:

Cycle Love

Cycle Style

Cycle Chic

 

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