fahrradwoche 47.11 / www.fahrradjournal.de / Foto: wscher

fahrradwoche 47

Eine Woche Fahrradkultur +++ Eine Woche Fahrradkultur +++ Eine Woche Fahrradkultur +++

+++ Für den Radiotipp haben wir diesmal den Deutschlandfunk ausgewählt. „Das Automobil stößt wegen der zunehmenden Verkehrsprobleme an seine Grenzen. Nutzen statt besitzen wird eines der Leitmotive sein, das den Verkehr von Morgen prägen könnte. Car-Sharing, Leih-Fahrräder oder Mitfahr-Börsen sind nicht nur umweltverträglicher, sondern auch bequemer und praktischer, gerade in Ballungsräumen.“ (Deutschlandfunk) Die Sendung „Abschied vom Auto? – Der Wandel der Mobilität“ von Michael Roehl (Moderation) und Matthias Sommer ist hier nachzuhören. +++

+++ Über den mutigen Start des Berlin Tweed Day hatten wir im September berichtet. Der offizielle Tweed Run war zuletzt in New York auf Besuch. Am 26.11. kehrt er als London Rugby Tweed Run 2011 nach London zurück, wo er dieses Jahr bereits zum zweiten Mal stattfindet. Wie üblich werden zahlreiche Preise vergeben wie „Best Vintage Bicycle“, „Most Dapper Chap“ und „Most Dashing Dame“. An den Londoner Originalen kann man sich sattsehen. Gespannter sind wir auf Fotos vom bereits angekündigten darauffolgenden. Der findet nämlich in Tokyo statt. +++

+++ Auf 24 Textzeilen veröffentlichte die zukünftige Berliner Landesregierung unter „Fahrradfreundliches Berlin“ im Entwurf zur Koalitionsvereinbarung ihre Ziele zur Radverkehrspolitik. Und was bringt die neue Berliner Landesregierung für den Radverkehr? Auf jeden Fall die Erfindung des Fußgängers. Gleich am Anfang des Papiers wird ein Konflikt zwischen Fußgängern und Radfahrern betont. Entsprechend möchte die Koalition hier um gegenseitige Rücksichtnahme werben. Ebenso augenfällig sind die enthaltenen ordnungspolitischen Maßnahmen: Durch „regelmäßige Kontrollen auch von Radfahrern“ soll die Bedeutung intakter Beleuchtungs- und Sicherheitsanlagen sowie die gegenseitige Rücksichtsnahme im Straßenverkehr unterstrichen werden. Mit einer „Sicherheitsoffensive“ will man den Anteil vom Helmbenutzer steigern. Der Kraftfahrzeugverkehr als wohl mächtigster Konfliktträger wird dagegen gar nicht erst erwähnt. +++ Unter den genannten Infrastrukturmaßnahmen finden sich immerhin der „Ausbau des Radroutennetzes und der Radverkehrsinfrastruktur unter Berücksichtigung der neuen Anforderungen zur Abwicklung großer Radverkehrsmengen“ sowie „die Erprobung neuer Infrastrukturelemente und verkehrsregelnder Maßnahmen“. Wie diese Maßnahmen konkret aussehen oder inwieweit es sich um bloße Fortschreibungen der bisherigen Radverkehrsstrategie handelt, bleibt abzuwarten. Das Investitionsvolumen wird in jedem Fall fortgeschrieben. Übersetzt: Mehr Geld wird nicht ausgegeben. Dieser Unwille zur Mehrinvestition zeichnete sich bereits in Äußerungen von Verkehrspolitikern so gut wie aller Parteien vor der Wahl ab. (Siehe Wahlprüfsteine des ADFC.) Kurz vor Schluss des Abschnitts spaziert erneut der Fußgänger übers Koalitionspapier. Fallbezogen zu prüfen sei, wie dessen Interesse zusammen mit dem eines „flüssigen Gesamtverkehrs“ mit den Belangen von Radfahrern in Einklang zu bringen ist. Die entwaffnende Erfindung eines magischen Fußgängers, der en passant den MIV zum Verschwinden bringt, findet fahrradjournal einfach klasse. Dagegen basteln wir uns einen urbanen Flaneur zu Rad. Der bemüht sich um Vernunft und wird immer mal wieder Konkretes von der Stadtentwicklungsbehörde erfragen. Der gesamte Entwurf der Koalitionsvereinbarung kann u. a. hier nachgelesen werden. +++

 

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+++ Wie kommen wir jetzt nur drauf? Als die CDU auf Bezirksebene das Grillverbot im Tiergarten durchsetzte, kommentierte ein Tagesspiegelleser unter „Die Provinzler sind zurück“: „Kaum bringt sich die Berliner CDU wieder ein, kehrt Piefigkeit und Provinzialismus in die Metropole zurück. Hoffen wir auf eine kurze Blütezeit.“ +++

Cover: Covadonga Verlag

+++ Von Anfang an wurde bekanntlich gedopt auf der Tour de France. O-Ton 1924: „Wollen Sie mal sehen, womit wir fahren? Hier… Aus seinem Beutel holt er eine Ampulle hervor: Das ist Kokain für die Augen, und dies hier ist Chloroform für das Zahnfleisch. […] Dürfen es auch ein paar Pillen sein? Wollen Sie welche sehen? Hier bitte. […] Francis bringt es auf den Punkt: Wir fahren mit Dynamit.“ Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Lyon diesen jungen Buchhaltungsgehilfen Albert Londres, der sich bei seiner Arbeit zu Tode langweilte. Also schmiss er hin und ging nach Paris, um als Journalist zu arbeiten. Später wurde er so etwas wie der Egon Erwin Kisch Frankreichs, einer der Ersten im investigativen Journalismus dort, der sich wenig um Zensur und Autoritäten scherte. Nach ihm benannt ist der französische Journalisten-Preis Prix Albert Londres. Der Reporter starb 1932 während der Rückkehr von einer Recherchereise nach Shanghai bei einem Schiffsbrand im Roten Meer. Er hinterließ Reportagen aus aller Welt, schrieb über Kolonialismus, Zwangsarbeit und Antisemitismus. 1924 blieb er für den Le Petit Parisien der Tour de France auf den Fersen. Unter dem Titel „Die Strafgefangenen der Landstraße“ liegen die 15 erfrischenden Reportagen (nach den jeweiligen Etappen) erstmals in deutscher Übersetzung vor, woher das Zitat oben stammt. Also auch zur Julklapp-Zeit niemals niemals niemals Kleine Bettlektüren verschenken! Lieber den witzigen kleinen und dennoch erschwinglichen Band von Londres in die Hand drücken. Albert Londres, Die Strafgefangenen der Landstraße, Reportagen von der Tour de France, Covadonga Verlag 124 Seiten, gebundene Ausgabe, mit zahlreichen Abbildungen, 12,80 Euro www.covadonga.de

+++ Tour de France II. Der niederländische Soziologe Benjo Maso befindet in seinem Buch „Der Schweiß der Götter“, das ebenfalls im Covadonga erschienen ist: „Offensichtlich ist die UCI [der Weltradsportverband] realistisch genug, um einzusehen, dass das Dopingproblem kurzfristig nicht zu bannen ist, und sich deshalb darauf beschränkt, sich mit ihm zu arrangieren. Dies bedeutet natürlich, dass die Leistungen der Champions vielleicht etwas mehr Illusion als reine Wirklichkeit sind. Doch ist nicht genau das seit jeher das Wesen des Straßensports?“ Solche Fragen interessieren uns auch. Deshalb folgt eine ausführliche Rezension demnächst in fahrradjournal. +++

+++ Vorankündigung: Keirin Berlin präsentiert ROLLAPALUZA Roller Racing (Goldsprints). Am Freitag, den 9. 12., ab 20.00 Uhr. Infos gibt´s hier. +++

+++ Spread the word! Kurz nachdem nun auch google+ Seiten anbietet, sind schon einige Fahrradblogs dort angekommen. Darunter der stets informative BikeBlogBerlin, die fotostarken panda cycles berlin und fahrradjournal. Das Feuilleton für Radkultur gibt es übrigens auch auf Facebook. Wir freuen uns, falls dort jemand noch Fan werden möchte. Das Posten auf den Social-Media-Seiten bringt die Leute zusammen, macht Spaß und frisst die Zeit auf, die man im Sattel verbringen könnte. +++

wscher

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Veranstaltungshinweise für die fahrradwoche? E-Mail an: redaktion@fahrradjournal.de

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