Foto: ADFC Berlin

Is Berlin doing a good job promoting the bike as a way of transport?

Foto: ADFC Berlin

In unregelmäßigen Abständen erreichen mich Anfragen, die sich nach dem Stand des Radverkehrs in Berlin erkundigen. Zuletzt von der brasilianischen „Sport Life“. Dabei erkundigte sich die Redakteurin unter anderem: „Is Berlin doing a good job promoting the bike as a way of transport? Are there frequent campaigns?” Gute Frage.

Natürlich darf man jede gelungene Infrastrukturmaßnahme in Berlin als Einladung verstehen, das Fahrrad zu nutzen. Jeder Radstreifen, jeder gut ausgebaute Radweg (und ich spreche nicht von den 90-cm-Radwegen der 70er Jahre), eine großzügige Beschilderung der Radrouten, der sichtbare Ausbau von Abstellgelegenheiten, die Unterstützung des örtlichen Fahrradverleihsystems „Call a bike“ durch das Land Berlin, das alles ist vielleicht ein Stück weit Kampagne.


Kampagnen sind negativ besetzt

Ich habe hier auch Kartenmaterial der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung herumliegen. Darum musste ich mich allerdings aktiv bemühen. Aber eine echte Fahrradkampagne? Die letzte Kampagne, an die ich mich erinnere, war die „Rücksicht“-Kampagne. Im Fokus standen Verkehrssicherheit und Konflikte unter Verkehrsteilnehmern. fahrradjournal hat das Konzept bereits im Mai als erzieherisch und unzeitgemäß kritisiert. Im heute vorgelegten Bericht des Berliner Forums für Verkehrssicherheit wird als Maßnahmenschwerpunkt u. a. die Fortsetzung dieser „Rücksicht“-Kampagne genannt. Unter einem Maßnahmenkatalog Werbung wäre Radfahren so allerdings negativ besetzt, nämlich als konfliktbelastet und prinzipiell gefährlich.

Auch unter neuesten Marketingerkenntnissen macht man in Berlin keinen guten „Job“. Dabei rede ich nicht vom Layout oder einer mangelhaften zielgruppengerechten Ansprache. Gerade wurden auf Copenhagenize.com die Ergebnisse der Studie „Promoting Cycling Positively“ vorgestellt. Darin wird aufgezeigt: Helme wirken nachteilig für das Marketing. Die Typisierung des Radfahrers der „Rücksicht“-Kampagnekampagne“ jedoch zeigt den Helmträger als Vorbild. Hinzu kommt, dass ausgerechnet Radsporthelme getragen werden. Die sind für Alltagsradler weder zwingend, noch verrät das besondere Kenntnis von dem vielfältigen Angebot an modischen Stadthelmen.


Berlins wahre Fahrradkampagnen

Selbst die oben angesprochene Karte „Fahrradfahren in Berlin“ aus dem Jahre 2011 kommt nicht ohne Negativwerbung auf ihrer Rückseite daher: „Fahr Rad – aber sicher”. Die letzten beiden Worte, sozusagen der Imperativ ohne Ausrufungszeichen, sind in der schauerlichen Schrifttype eines Groschenkrimis aus den 1950er Jahren gesetzt. Unter „Zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen“ geht der Krimi richtig los: „Da Radfahrer im Falle eines Unfalls meist erhebliche, oft auch tödliche (Kopf-)Verletzungen erleiden, ist das Tragen eines Schutzhelmes (nicht nur für Kinder!) zu empfehlen!“ Ich dagegebe empfehle zunächst einmal die genannte Marketing-Studie.

Doch zurück zu der Frage der brasilianischen Kollegin. Was sollte ich ihr in Ermangelung von (überzeugenden) Berliner Fahrradkampagnen antworten? Ich schrieb, was ich auch sonst immer verkünde. Dass die besten Fahrradpromoter in Berlin die Menschen sind, die täglich auf ihren Fahrrädern unterwegs sind. Dass ich die alljährliche Sternfahrt des ADFC im Juni, mit bis zu 250 000 Teilnehmern für eine der besten Werbeveranstaltungen für die Fahrradkultur überhaupt halte. Und dass – last, but not least – auch die beiden Frühjahrsmessen Berliner Fahrrad Schau und VELOBerlin Lust aufs Fahrrad machen.

Text:Wolfgang Scherreiks / Fotos: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung / ADFC

Foto: Senatsverwaltung für StadtentwicklungFoto: www.berlin-nimmt-rücksicht.de

 

 

 

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