Gregor Schober
Foto: Gregor Schober

Jeder Norddeutsche ist eigentlich Engländer

Gregor Schober heißt der Mann, der den Tweed Run nach Oldenburg brachte

Gregor Schober
Gewinner

 

 

Herr Schober, wie kamen Sie auf die Idee, den Tweed Run nach Oldenburg zu bringen?

Für eine andere Veranstaltung haben wir Sponsoren gesucht. Dabei sind wir über einen Fahrradhändler in London auf den Tweed Run gestoßen. Wir haben festgestellt, dass der Tweed Run in einer Stadt, in der so viele leidenschaftliche Fahrradfahrer wie in Oldenburg leben, gut passen könnte.

Wer organisiert den Tweed Run?

Veranstalter ist die Deutsch-Britische Gesellschaft in Oldenburg. Die Organisation liegt bei mir. Ganz wesentlich wird der Tweed Run mitgetragen von einem Händlernetzwerk, das sich zu einer Marketinginitiative zusammengeschlossen hat und die Sache finanziell wie operativ trägt. Nicht zuletzt steht die Stadt Oldenburg mit ihrer Tourismus und Marketing GmbH dahinter. Und die Verbindung zu den Oldenburger Partnerstädten, Kingston in England und Groningen in den Niederlanden, hält die Oldenburger Wirtschaftsförderung, die 2012 sicherlich auch Briten und Niederländer zum Tweed Run einladen wird.

Wie wird der konkrete Ablauf sein?

Um 14.00 Uhr versammeln sich alle Fahrer im Innenhof des Oldenburger Schlosses. Nachdem die Startnummern verteilt sind, Fotos von jedem Fahrer gemacht und die Roadmaps verteilt sind, geht es um 15.00 Uhr los auf eine zehn englische Meilen lange Tour, durch die reizvollsten Gegenden der Stadt. Voraussichtlich gegen 16.30 Uhr treffen wir uns im Oldenburger Schlossgarten, einer Traumlage, um dort, gesponsert von Bäckereien, Teehändlern und anderen geeigneten Kandidaten Tee und Scones zu uns zu nehmen. Dann wird auch der Preis für das skurrilste oder klassischste Outfit verliehen.

Kann sich wirklich jeder am Tweed Run beteiligen?

Ja, unbedingt. Für die erste Veranstaltung haben wir die Hürden sogar ein wenig herabgesetzt. Es muss nicht zwingend ein historisches Fahrrad sein. Und es reicht auch eine Tweedjacke. Wenn das Ganze zum Erfolg wird, werden wir die Kriterien sicherlich anziehen. Das ist in London ähnlich zu beobachten gewesen. Die erste Veranstaltung war ja kleiner, die letzte Veranstaltung war bei vierhundert Teilnehmern innerhalb einer Viertel Stunde „ausverkauft“. Ich glaube, man darf bei solchen Veranstaltungen keine Angst haben, mit einem kleinen Starterfeld zu beginnen. Weil es darum geht, etwas in Bewegung zu setzen, das dann über die Jahre wachsen kann. Wir sehen in der Kommunikation hier, dass bei vielen interessierten Fahrern zunächst eine Scheu besteht, weil sie nicht wissen, wie aufwendig sie das Ganze angehen müssen.

oder ob eine Tweedjacke im Kleiderschrank hängt?

Ganz genau. Aber auch da haben wir Empfehlungen gegeben. Wir sprachen ja bereits über das Einzelhandelsnetzwerk in Oldenburg, das den Tweed Run trägt.

 

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Sie erheben Startgelder in Höhe von 25,00 Euro und Sie haben Sponsoren. Was passiert mit den Erträgen?

Wir werden sämtliche Erträge des Tweed Run dem Oldenburger Schlossgarten zur Verfügung stellen, der in diesem Jahr ein historisches Transportfahrrad von uns geschenkt bekommt. Im folgenden Jahr werden wir mit zu dem Aufbau der Orangerie im Schlossgarten beitragen.

Gibt es einen besonderen Geist, der den Oldenburger Tweed Run trägt?

Also zu ernst nehmen wir den Tweed Run nicht. Ich glaube, das ist genau der Geist, mit dem er getragen werden muss. Großzügigkeit im Ganzen und viel Detailverliebtheit, wenn es um die Umsetzung geht.

Wie englisch ist denn der Oldenburger im Allgemeinen?

So wie ganz Norddeutschland sind wir eigentlich alle Engländer. Fragen Sie einen Hamburger, der ist ja in London groß geworden. Bei genauerem Hinsehen stellt sich vielleicht heraus, dass das doch nicht ganz so verbreitet ist … Der Tweed Run bringt aber gute Voraussetzungen mit, anglophiles Publikum über eine entspannte und legere Veranstaltung zusammenzuführen. Was wir mit einigem Erstaunen gesehen haben, war, dass die Deutsch-Britische Gesellschaft in Oldenburg noch gar keine englischen Mitglieder hatte. Das möchten wir über diese Veranstaltung gerne ändern.

Was unterscheidet den Oldenburger Tweed Run vom London Tweed Run?

Ganz ehrlich glaube ich, dass in London noch viel mehr Energie hinter der Sache steht. Und dass dort eine Professionalität auf eine ganz entspannte Weise Einzug gehalten hat, die wir in Oldenburg, aufgrund der knappen Vorbereitungszeit, noch nicht in dem Maße umsetzen konnten. Es ist wichtig, einfach anzufangen. Und darauf zu setzen, dass sich die Dinge im zweiten, dritten Jahr in die richtige Richtung entwickeln. Wir sehen schon jetzt, dass die Idee geeignet ist, viele Menschen mit vielen guten Ideen anzuziehen. Und da bin ich ganz zuversichtlich, dass wir uns dem Londoner Tweed Run auch auf dieser Ebene immer weiter annähern und ich Ihnen in zwei Jahren sagen kann: der Unterschied ist gar nicht mehr so groß.

Haben Sie etwas gegen hauptstädtische Nachahmer?

Nein, keineswegs. Wir würden uns sogar freuen. Ich glaube, dass sich die Veranstaltungen gegenseitig befruchten. Das ist eine Idee, die ohnehin Raum greifen wird. Ein kleiner Hinweis dazu: Wir hatten den Britischen Botschafter in Berlin, Simon McDonald gebeten, uns ein kleines Grußwort zu schreiben. Der hatte dann seine Mitarbeiter angehalten zu recherchieren. Sie haben herausgefunden, dass der Tweed Run schon an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt stattfindet, es soll auch einen in Dresden und Hamburg geben.

Welchen persönlichen Bezug haben Sie zum Fahrrad?

Ich bin bekennender Fahrradmuffel. Ich war froh, als man mir mein Rad im Studium geklaut hatte und ich endlich wieder zu Fuß gehen konnte. Aber für den Tweed Run gebe ich diese Aversion auf und setze mich wieder aufs Fahrrad.

Dann könnten Sie ja gleich beim Rad bleiben …

Ja. Oldenburg ist eine Stadt, die zum Fahrrad fahren einlädt, weil sie über wunderbar alte Bausubstanz verfügt und herrliche Gartenanlagen. Da man sich das nicht alles erlaufen kann, wird das ein Grund sein, meine Aversion aufzugeben. Dazu könnte der Tweed Run durchaus seinen Anstoß geben.

Wie sehen die Verhältnisse für Radfahrer in Oldenburg aus?

Nicht schlecht. Oldenburg ist eine der am besten entwickelten Fahrradfahrerstädte Deutschlands. Gerade durch die Universität fährt ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung Rad. Die Studenten prägen die Stadt sehr stark. So viele Strecken, die zu erfahren sind in Oldenburg „und umzu“, wie wir hier sagen, sodass sich die Stadt für Fahrradfahrer wirklich anbietet.

Und wie ist die Stimmung unter den Verkehrsteilnehmern?

In Oldenburg nehmen die Fahrradfahrer traditionell sehr viel Rücksicht auf die Autofahrer. (lacht) Es gibt einen ganz respektvollen Umgang miteinander, das hat sich über die Jahre eingespielt. Oldenburg ist auch nicht ganz so dicht befahren wie Berlin. Und nicht so hektisch. Das hängt mit dem provinziellen Lebensgefühl zusammen, das mit einer Ruhe verbunden ist, die sich eben auch im Alltagsleben angenehm bemerkbar macht.

Interview: Wolfgang Scherreiks / Foto: Gregor Schober


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