Cover, Fotos: © The Bike Book - Lifestyle. Passion. Design. published by teNeues

Lifestyle-Objekte Fahrrad, Buch

Cover: © The Bike Book – Lifestyle. Passion. Design. published by teNeuesKleine Anmerkung, bevor es losgeht: Mag in manchem Verlag die Vorstellung des Rezensenten als kostenlose Marketingdurchreiche Einzug halten, dem man gleich noch die nötigen SEO-Schlagworte mit an die Hand liefert. Ohne Draufsicht, Distanzierung und (Neu-) Bewertung wären die anderen Schlagworte Lebensstil, Leidenschaft und Gestaltung, die das zu besprechende Verlagsprodukt transportieren und mit denen es verkauft werden soll, seriös gar nicht zu haben. Also schauen wir besser erst mal aufs Produkt:

Übersetzt man die oben angesprochenen Worte zurück in Lifestyle, Passion, Design, ergibt sich der Untertitel des Bildbandes „The Bike Book“, der gerade im teNeues Verlag erschienen ist. „Die ungewöhnlichsten, teuersten, innovativsten und trendigsten Räder“ sollen darin präsentiert werden, schwärmt Thomas Rögner einleitend. Der Band wolle beim Betrachter die Lust fördern, alles mit dem Fahrrad anzustellen, draußen wie drinnen, es „… einfach in die Wohnung zu stellen und sich an den klaren Linien, der makellosen Verarbeitung und den ausgesuchten Materialien zu erfreuen.“

Eine ernsthafte Debatte über die Auswahl der Räder, welche unbedingt noch hineingehört hätten und welche überflüssigerweise hineingeraten sind, soll an dieser Stelle nicht angestoßen werden. Denn die gegenwärtige (übrigens ebenso wie die vergangene) kreative Vielfalt der Fahrradkultur schlägt wohl jeden Publikationsversuch. Für ein „visuelles Nachschlagewerk“ wie vom Verlag behauptet, fehlt mit 220 Seiten und 300 Fotos allerdings von vornherein der nötige Umfang sowie jeder enzyklopädische Ansatz.

Foto: © The Bike Book - Lifestyle. Passion. Design. published by teNeuesAndererseits heißt Masse eben nicht Klasse und das Versprechen eines anspruchsvollen Fotobandes wird über die Fotografie durchaus eingelöst. In den sieben Kapiteln Sport Bikes, Urban Bikes, Utility Bikes, E-Bikes, Accessoires, Special & Concept Bikes und Creative Bike Storage wird die Bandbreite ganz unterschiedlicher Stilrichtungen und Interessen abgebildet. Vom Path Racer bis zum Bambusrad, vom Bakfiet bis zur Speed Machine. Einige Fahrräder, wie das „Nightstream“ von „VANDEYK“ oder der „Chopper Skurus“ von „Deginder Cycles“ wurden auch im fahrradjournal aus Anlass der Berliner Fahrrad Schau schon präsentiert.

Das aktuelle Branchenzugpferd E-Bike nimmt sich bis auf Ausnahmen (das „Shadow Ebike“ oder das an ein Schweizer Taschenmesser erinnernde „Voltitude“) nach wie vor etwas schwer und klobig aus. Hilfsweise protzt der Beitext mit technischen Daten. Es bleibt nur fair anzumerken, dass vielleicht gerade hier das Herz des Technikfreaks aufgehen könnte. Unter dem Accessoires-Kapitel ist sogar ein bisschen Fahrradmode vertreten. Mit „Georgia in Dublin“ und dem „Oratory Jacket“ von „Brompton“ wird allerdings wirklich nur ein Bruchteil heutiger Produkte abgebildet, man konzentriert sich auf Taschen und Helme.

Foto: © The Bike Book - Lifestyle. Passion. Design. published by teNeuesEin schönes (und woanders häufig noch vernachlässigtes) Kapitel in „The Bike Book“ dagegen ist die Kunst das Rad in der Wohnung unterzubringen. Unter der Überschrift „Creative Bike Storage“ verbirgt sich daher weniger die fantastische allabendliche Leistung eines kleinen Fahrradhändlers, die Masse der vor dem Laden ausgestellten Räder unterzubringen. Weil das Fahrrad natürlich ins Wohnzimmer gehört, werden vielmehr die ebenso raffinierten wie geschmackvollen Haltesysteme vorgestellt, die längst fahrradverliebte (Möbel-)Designer auf den Plan gerufen haben. So schafft es das Regal „Branchline“, mit seinen abgespreizten Standbeinen und Armen aus Leder-Inserts, die den Rahmen schonen sollen, Fahrräder übereinander zu stellen. Ein nach dem Rahmen maßgefertigtes Dreieck aus Birke („Bike Rack“) bietet eine verblüffend schöne Wandhalterung. Und als „Cycloc“ bezeichnet sich eine kleine Kunststofftrommel, die das Rad verankert. Dann wäre da noch das ebenso schlichte wie edle „The Bike Shelf“ aus Walnuss oder Hickory, das obenauf noch Platz für Bücher bietet oder das künstlerisch wie praktisch noch darüber hinaus weisende „Pedal Pod“, das Ablagemöglichkeiten für kleinteiliges Zubehör mit einbezieht.

Der Bildband ist ein hübscher Appetitmacher, ein Anfang von etwas, ein grober Überblick mit schönen Fotos. Und das Konzept des Buches, das Fahrrad als Lifestyle-Objekt zu präsentieren, gilt auch für das Buch selbst, das gut neben dem Fahrrad oder als Bestandteil von Creative Bike Storage (s. o. ) in der Wohnung vorstellbar ist. Und wer in Fahrrädern oder Designmöbel nicht investieren kann oder mag, wer träumen will oder muss, investiert vielleicht gerade in „The Bike Book“.

Text: Wolfgang Scherreiks / Cover + Fotos: © The Bike Book – Lifestyle. Passion. Design. published by teNeues

The Bike Book, Lifestyle. Passion. Design. teNeues Verlag, 2012, 220 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ca. 300 Farbfotografien, Text in Englisch, Deutsch und Französisch, EUR 49,90

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