Foto: Ralf Braum / Deutsche Bahn AG

Noch unflexibel und gar nicht sexy: Doch „Call a Bike“ in Berlin wird jetzt ausgebaut

Foto: Ralf Braum / Deutsche Bahn AG

Besonders sexy waren sie noch nie. Weder die Fahrräder noch die 70er Jahre Betonquader an den zugehörigen Verleihstationen. Ohne jede Sensibilität für ihre Umgebung werden sie an Straßenrändern und Plätzen hingepflanzt. Das nimmt wenig Wunder, wenn man bedenkt, dass Berlin hier auf eine Tochter des Monopolisten „DB“ setzt. Klassischerweise regiert dort der Ingenieur und nicht das Auge. Ohne ein Fahrradverleihsystem kann eine Stadt im Jahre 2013 aber auch nicht auskommen.

Dabei ist das System weniger für den Verweilenden oder den Anwohner gedacht, der ohnehin sein eigenes Fahrrad nutzt, sondern für den Flüchtigen, den modernen Reisenden, als Teil seiner intermodalen Reisekette. Nur wird das schöne Versprechen bisher nicht eingelöst. Denn ausgerechnet dieser Reisetypus ist in Berlin auf einem „Call a bike” stark eingeschränkt unterwegs: Schließlich muss am Reiseziel immer wieder eine Abgabestation stehen. So gehören die festen Stationen denn auch zu den Hauptkritikpunkten am Fahrradverleihsystem, das ganze Stadtteile einfach ausklammert.

Vielleicht ist Änderung in Sicht. Denn gerade weihten Christian Gaebler, Staatssekretär in der Stadtentwicklungsbehörde, Ingulf Leuschel, Konzernbevollmächtigter der „DB“ für Berlin sowie Thomas Blesing, Baustadtrat in Neukölln, die erste von bis zu 50 neu zu errichteten „Call a Bike”-Stationen ein. So wurde es heute in einer Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt mitgeteilt. Demnach sollen die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln, Pankow und Tempelhof-Schöneberg ausgebaut werden. Zu den 1.450 Fahrräder an bereits 100 festen Stationen kommen dann weitere 300 Räder hinzu.

Der Ausbau wird durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt unterstützt. Für Gaebler wird es jetzt „in noch mehr Bezirken möglich sein, Wege mit einem Leihfahrrad einfach, flexibel, ökologisch verträglich und zeitunabhängig zurückzulegen.” Nach und nach sollen die Leihräder auch mit zusätzlichen Kartenlesern am Schloss ausgestattet werden, die das Entleihen an vielen Stationen einfacher machen sollen. Informationen können über die „Call a Bike“-App sowie die Internetseite www.callabike.de abgerufen werden.

Text: wscher/ Foto: Ralf Braum / Deutsche Bahn AG

About the author

fahrradjournal

View all posts

3 Comments

  • Nun ja, das System war ja mal richtig gut. Ohne feste Entleih- und Rückgabestationen, mit Abstellmöglichkeit überall im „Geschäftsgebiet“. Das wurde dann abgeschafft – aber mit den Kurzfrist-Leihautos wie Car2Go etc. funktioniert das… Muss man nicht verstehen, oder?

  • Letztendlich nimmt eigentlich kaum ein Teil des Verkehrssystems optisch Rücksicht auf seine Umwelt. Sei es das Auto vor dem historischen Gebäude (für Fotografien der Horror), die Straßenbahn-Oberleitung oder die in jedem Bezirk gleich aussehende S-Bahn. Von der flächendeckenden Lärmkulisse in der Stadt, die wenig ästhetisch wirkt, mal abgesehen. Da stören mich ein paar Räder an Call-a-Bike-Stationen letztendlich weniger als die vielen aus der Not heraus „wild“ parkenden Fahrräder.

    Ob die Zielgruppe nur Geschäftsreisende sind – schwer vorstellbar. Meine Gründe für die Nutzung des Services sind sehr pragmatisch, denn ich muss mein Rad nicht mehr in der S-Bahn mitnehmen, was einfach nur nervend ist 😉

    • Weil aber etwas woanders auch schlecht ist, darf ein behandelter Gegenstand trotzdem kritisiert werden. Sonst hätte sich die Welt nie geändert. Die Räder der DB-Tochter sind ästhetisch unattraktiv und machen wenig Lust aufs Radfahren. In erster Linie bezieht sich der Text allerdings auf die Betonklötze der Abstellanlagen. Gottgegeben sind die weniger, vielmehr einem Quasimonopol geschuldet, bei dem sowohl die Qualität des Reisenden als auch die Umwelt von Anwohnern nicht an erster Stelle stehen. Ähnliches könnte man durchaus über den Zugbetrieb der DB formulieren …

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *