Foto: Overnighter.de

Overnighter

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Am Anfang war die Grenzsteintrophy

Als der Journalist Gunnar Fehlau im Dezember 2007 von der Selbstversorgerfahrt Tour Devide hörte, war er gleich Feuer und Flamme. Allein das Zeitfenster, um 4.500 Kilometer entlang des Continental Divides durch die Rocky Mountains zu fahren, passte nicht ganz in seine Lebensrealität mit Anforderungen in Job und Familie.

Dennoch erschien ihm, nach Fahrten wie Trondheim-Oslo, Bike-Transalp und Brevets wie Paris-Brest-Paris, diese Mischung aus Radsport, Pfadfindertum und Ausrüstungsfetischismus wie die Summe seiner bisherigen Radabenteuer: Ein Mountainbike, allein unterwegs, Schlafsack ausrollen, am nächsten Morgen weiterziehen.

Im Juni 2009 startete er mit 20 Teilnehmern zunächst die 1.250 km lange Radreise entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Die Idee zur Grenzsteintrophy (GST) wurde geboren, während er sich eine TV-Dokumentation über die ehemalige innerdeutsche Grenzlinie anschaute.

 

Der Overnighter

Doch warum nur ein Mal im Jahr als Selbstversorger unterwegs sein? Schon für das Vorbereitungstraining zur Grenzsteintrophy war er immer wieder eine Nacht unterwegs. „Denn dafür brauchst du ein komplettes System aus Ausrüstung und Ernährung”, sagt Gunnar Fehlau. „Und du musst wissen, wie ticke ich eigentlich, wenn ich nachts allein im Wald schlafe? Was passiert da psychologisch mit mir? Kann ich das überhaupt?“

Manchmal traf er sich werktags am frühen Abend mit Freunden, fuhr auf drei, vier Stunden in die Natur und durch die Nacht. Vielleicht gab es noch ein kleines Lagerfeuer. Dann suchte er sich einen Schlafplatz und stellte den Wecker. Am nächsten Morgen saß er frisch geduscht im Büro. „Gerade mitten im Termindruck war das unheimlich erholend.” Und das ist Teil der simplen Idee des „Overnighters“.

Denn neben der großen Tour sind die kleinen Fahrten übers Jahr so etwas wie das Salz in der Suppe. Fehlau ist einmal mit Radrennen gestartet. Mit den Jahren ist er über die Langstreckenrennen bis hin zu den Selbstversorgerfahrten immer langsamer geworden. Jetzt ist es Qualität, draußen unterwegs zu sein, nicht die Zeitmessung: „Mir ist es egal, wie schnell ich fahre, ich will schöne Erlebnisse haben.“ Das kann unweit der Haustür stattfinden, das kann auch auf Mallorca sein. (Fotos)

 

Die Idee ist, nicht in großen Events zu denken

Wie man die Idee im Einzelnen auskleidet, entscheidet am Ende jeder selbst. Für den Overnighter ist nichts ein Muss. Ob man grundsätzlich im Freien übernachtet oder eine Kreditkartentour macht, die abends in einem Hotel endet. Auch von der Ausrüstung her ist das längst kein Freakding mehr: „Die Idee ist es, nicht in großen Events zu denken. Nicht in großen langen Urlauben und nicht in großen Strukturen.“

Auch das Blog zur Grenzsteintrophy hat sich thematisch entsprechend erweitert. Da geht es nicht mehr nur darum, in sechseinhalb Tagen die Grenze lang „zu ballern”. Als jüngst ein grafisches Update erfolgte, wollte man dem mit einem neuen Namen gerecht werden: Overnighter.de. Das Blog soll u. a. Anlaufstelle für alle Neugierigen sein, die diese einfache Form des  Kurztrips einmal ausprobieren möchten und Treffpunkt für alle Overnighter, die von ihren eigenen Erfahrungen berichten möchten.

Text: wscher / Fotos: Overnighter.de / Stephan Joost


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