Zeichnung: Joel Cairo / www.fahrradjournal.de

Als ich einmal für einen privaten Radiosender gearbeitet habe, probierte ich auf deren Website ein paar Zeilen aus Freddys Mercurys Hymne an das Fahrrad unterzubringen. Ein Redakteur zog die Augenbrauen hoch und strich das gleich wieder heraus. Dabei handelte es sich nicht um die Textzeile „Fat bottomed girls they’ll be riding today, so look out for those beauties oh yeah” sondern um den harmlosesten Refrain der Welt. Besonders unter dem Hochziehen der Augenbrauen habe ich natürlich mein Leben lang gelitten. Und so billig, wie der Mensch funktioniert, müssen jetzt auch die Leserinnen und Leser von Velozentrik darunter leiden. Hier kommt das Werk „Bicycle Race“ fünf Mal hintereinander in allen Varianten intoniert und visuell aufbereitet. Obendrein gewürzt mit klassisch randständigen Notizen aus der Velozentrik-Ecke.

Favorit bleibt nach wie vor der in Brüssel entstandene Flashmob aus Chor, Beat Boxer und Trial Biker. Systemisch betrachtet greifen Gesang, Ort, Vehikel und Autoritäten so harmonisch ineinander, dass die Gefahr einer echten Kulturrevolution leider nicht besteht. Stattdessen wurde völlig unbemerkt vom Feuilleton der größten Zeitungen ein Grundstein für das erste Fahrradkultur-Musical gelegt.

In den 90er Jahren bescherte uns Blümchen eine Wackelversion für alkoholisierte Nächte auf den Balearischen Inseln, vielleicht auch für die Dynamische Meditation geeignet oder für das Pilates-Workout, Power-Yoga, Zumba, Kranking, A.E.R.o. Ballet, Gangnam style und so weiter und so fort. Velozentrik-Kommentar: Sorry, Freddy.

Eine mutigere Interpretation des Mercury-Werkes verlangt auf der anderen Seite auch mehr Mut vom Rezipienten. Der You-Tube-Kommentar liefert den klimatisch passenden Satz: „… video made for NYFA project in like 2005? i dont fucking know.“  Ein Bandtrio namens „Upsilon Acrux“ aus San Diego brachte unter Einsatz von Schlagzeug, Gitarren und Moog-Synthesizer eine Spezialbearbeitung von Bicycle Race heraus. Auch der Film taugt zum Festival.

Hier wurde ja weitgehend auf Gesang verzichtet. Das kann sich als vorteilhaft erweisen für den, der keine Singstimme hat. Um auch einmal einen Hauch von Bicycle Race zu spielen, ohne selbst Musiker zu sein, müsste man sich einfach eine Klingel an den Lenker klemmen. Die könnte das elegant-urbane “Ey, du Arsch!” in brenzligen Verkehrssituationen ersetzen. Vor allen Dingen kann das berühmte Fahrradklingelsolo aus Bicycle Race leichter Hand nachgespielt werden.

Viel verbissener geht es bei den unzähligen Hobby-Gitaristen auf der ganzen Welt zu. Bekanntlich üben sie bis zur Erschöpfung die Gitarrensoli von Al di Meola. Und schaffen es nie. Er ist einfach zu schnell. Dass auch eine Bewegung der Bicycle-Race-Gitarrensolo-Enthusiasten existiert, beweist folgender Film. Unser Beispiel ist keine Übertreibung: Die meisten tragen dünne, lange Haare und sie wollen nichts anderes als das Solo. Alle anderen dürfen schon mal vorklingeln:

Schließlich gibt es da noch die japanische Version, die für nicht-japanische Ohren vom Sound her zunächst an die großen japanischen Samurai-Filmklassiker mahnt. Beim zweiten Durchgang lässt sich das Lied bereits bei der Morgentoilette mitsingen. So eingestimmt geht es raus aufs Rad. Denn der Kampfradler ist das Phantom von gestern. Wehe Großstadt, wenn erst die Samurai-Radler kommen!

 

Text: wscher / Zeichnung: Joel Cairo/ Videos:  www.mojomedia.be / Blümchen – Bicycle Race / Upsilon Acrux /porkmadness – Jeff Brower