Foto: wscher / www.fahrradjournal.de
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Fahrradparkhaus Berlin?

Mit der Zunahme des urbanen Radverkehrs werden Stellplätze knapper. Viele Städte besitzen Radstationen, in denen das Fahrrad insbesondere für Pendler sicher geparkt werden kann. In Hamburg-Bergedorf wurde kürzlich eine solche eröffnet, erntete aber gleich Kritik wegen der hohen Jahresgebühr. Merkwürdig ist es schon, dass es noch immer kein Fahrradparkhaus in Berlin gibt. Bereits Mitte März führte fahrradjournal ein Gespräch mit Burkhard Horn von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz in Berlin. Darin ging es u. a. um das Fahrradparken. Hier ein Auszug aus dem Gespräch:

 

Burkhard Horn / Foto: wscher / www.fahrradjournal.de

Herr Horn, viele kleinere Städte haben ein Fahrradparkhaus, warum hat die Hauptstadt keines?

In den Kleinstädten gibt es einen Bahnhof und klare Pendlerströme. Städte wie Münster, Göttingen, die Städte in NRW haben meistens einen zentralen Bahnhof, sie haben klar gerichtete Pendlerbeziehungen. Das ist in Berlin schon schwieriger aufgrund der Polyzentralität der Stadt. Da kann man nicht einfach sagen, ich platziere ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof, am Ostbahnhof oder am Zoologischen Garten …

Oder an allen drei Standorten …

… dazu braucht man in der Regel die Deutsche Bahn als Partner, weil es meist deren Flächen sind, die für einen Standort attraktiv wären. Und das ist nicht einfach, weil die Deutsche Bahn das Fahrrad nach wie vor als Ergänzung oder als kooperierendes Verkehrsmittel nicht ausreichend ernst nimmt. Solange die Bahn der Auffassung ist, sie kann die Flächen für andere Nutzungen besser vermarkten, unter betriebswirtschaftlichen Aspekten, ist das für uns ausgesprochen schwer, vernünftige Standorte zu finden.

Wie könnte ein Fahrradparkhaus finanziert werden?

Wir brauchen natürlich auch ein finanzielles Engagement. Ich wüsste momentan kein Fahrradparkhaus, das nicht zumindest indirekt subventioniert wird, und sei es über Arbeitsmarktfördermittel. Wenn man ein kostenpflichtiges Fahrradparkhaus macht, muss das sehr hohen Komfort bieten und sehr nahe am Bahnsteig liegen, näher als die „normalen“ Abstellmöglichkeiten. Sonst wird die Akzeptanz nicht da sein. Oder man muss das „normale“ Radparken komplett unterbinden, um die Akzeptanz zu fördern. Das ist also komplexer als zu sagen, ich stelle da jetzt mal eine schöne Anlage hin mit 200 Ständern und dann funktioniert die schon.

Meine Vorstellung ist, dass man das auch tariflich in die ÖPNV-Nutzung integriert. Das heißt z. B., ich kann mein elektronisches Ticket, das es ja demnächst im öffentlichen Nahverkehr für den Abo-Kunden geben wird, einfach vor das Fahrradparkhaus halten, die Tür geht auf, ich kann das Fahrrad abstellen und bin raus – ohne weitere Zahlvorgänge. Auch das wäre eine Rahmenbedingung für ein Fahrradparkhaus in Berlin, das auch Akzeptanz findet.

Burkhard Horn / Foto: wscher / www.fahrradjournal.deKönnten nicht bestehende Autoparkhäuser gesonderte Bereiche für Fahrräder einräumen?

Wenn die Zugänglichkeit gut ist, kann man drüber nachdenken. Die müssten im Erdgeschoss liegen, nahe an der Zufahrt. Wir haben viele Parkhäuser und Tiefgaragen, die schlecht ausgelastet sind. Allerdings ist auch noch kein Betreiber an mich herangetreten, dass er gerne Fahrradplätze einrichten würde.

Warum treten Sie nicht umgekehrt an die Betreiber heran?

Darüber kann man mal im Rahmen des Masterplans Parken nachdenken. Erst mal muss man wohl eine Standortanalyse machen, welche Parkhäuser tatsächlich geeignet sein könnten.

Was halten Sie von der Idee bewachter Fahrradparkplätze im öffentlichen Raum, mit einem Parkwächter, der ein Auge aufs Rad wirft?

Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Ist das Fahrradparken dann kostenpflichtig oder einfach nur ein Service? Es gab ja schon mobile Fahrradparkanlagen, zur Fahrradmesse und zur Fußballweltmeisterschaft, wenn man so will, ein gewisser Vorläufer in dem Bereich. Das dauerhaft in stationären Anlagen zu machen, wäre eine neue Idee, die aber ebenfalls sorgfältig zu prüfen wäre. Auch da stellt sich die Frage, welche Standorte infrage kämen.

Interview: Wolfgang Scherreiks / Fotos: wscher

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