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Verhasster Berg, geliebte Schotterpiste. Mit dem „Delite“ und dem „World Traveller“ durch die isländischen Westfjorde

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Auf unserer letzten Islandreise war ich mit meiner Frau für ein paar Tage in den Westfjorden unterwegs. Gemeinsam mit uns bewältigten zwei Reiseräder nebst Gepäcktaschen die Tour. Ein paar Anmerkungen zu den Rädern an dieser Stelle. Von der Reise selbst wird später mehr zu lesen sein.

 

Unzweifelhaft verändert ein Rad seinen Fahrer. Zur Eingewöhnung waren wir mit den Reiserädern bereits in Berlin unterwegs und wurden zunächst einmal viel geschickter. Gewöhnt an Omafiets und Path Racer, bei denen großzügiges Kurvennehmen angesagt ist, brachte der Umstieg auf das „Koga Word Traveller 29“ und das „delite traveller rohloff“ von „Riese und Müller“ eine neue Wendigkeit mit sich. Hinzu kam unsere wachsende Kaltblütigkeit städtische Unebenheiten zu nehmen, Bordsteinkanten oder die allerletzten Schotterwege und Spurrillen der Großstadt zu queren.

 

Schotterpiste ist auch nur ein pittoreskes Wort

Für die Lastenprobe nutzte ich das „Delite“ auch zum Großeinkauf in Kombination mit „Ortlieb“-Taschen: Front Roller Plus, Back Roller Plus sowie Lenkertasche Ultimate 6 gehörten zur Ausrüstung. Die erwies sich für die kurze Probephase als robust und war rasch auf- und absetzbar. Smartes Gepäckmanagement im Hintergrund, sozusagen. Und von Lasten am Rad – gewiss auch dank Lowrider – keine Spur. Womit wir wieder beim „Delite“ wären. Auf einmal hatte ich das Gefühl, das Rad würde sich mit Gepäck viel besser fahren als ohne. Zumindest in der Ebene. Dass ich damit schwerer den kleinen Schlossparkhügel hochkam, als mit meinem „Pashley Guv´nor“, hätte ein Hinweis sein können, den ich zunächst jedoch verdrängte.

Das pittoreske Wort „Schotterpiste“ taucht in Island-Reiseführen häufig als Warnung auf. In Internetforen wird von Radfahrern und übrigens auch von Autofahrern ängstlich nachgefragt: „Und wo genau? Und wie lange?“ Und plötzlich in Island!, verlor das Wort in der tatsächlichen Erfahrung alle Schrecken. Zwar verlangte das Fahren auf Schotterpisten und um  Schlaglöcher herum einige Konzentration. Doch gerade solche Straßenverhältnisse waren beider Räder Ding. Mit und ohne Vollfederung machte unserer Erfahrung nach dabei auch keinen großen Unterschied.


Packsesel am Berg

Am Berg, bei 12 Prozent Steigung und ordentlich Gegenwind unterschieden sich die Möglichkeiten beider Räder allerdings. Mitunter legten wir dann längere Schiebestrecken ein. Die bescheidene Kondition zweier Flachlandradler darf bei einer Bewertung ruhig mitgedacht werden. Doch weil wir Helden sein wollten („das Rad verändert seinen Fahrer“), setzten wir uns immer wieder aufs Rad, tauschten die Pferde, probierten unterschiedliche Gänge und Trittfrequenzen aus. Mit dem leichteren „World Traveller“, seinen 28-Zoll-Reifen und der Shimano SLX 27-Gang-Kettenschaltung ging es in der niedrigsten Übersetzung langsam doch stetig den Berg hinauf.

Beim „Delite“ mit seiner 14-Gang-Rohloff-Nabe konnte von solchen Fortschritten keine Rede sein. Unbenommen etwaiger Kettenblattdiskussionen und Vollfederungsanpassungen, wandelte sich dieser Packsesel am Berg zunehmend in einen widerspenstigen. Und ich frage mich, was nutzt die überdimensionierte Vollfederung, wenn sie eine Art Grundwiderstand legt, mit dem ich mühsam bergauf wippen muss?

 

Beim nächsten Mal lieber etwas leichter

Runter hingegen kommen sie bekanntlich alle. Leicht ist eine Abfahrt, die sich länger hinzieht, für den Fahrer deshalb noch lange nicht. Das hatte aber kaum mit den Reiserädern zu tun. Im Gegenteil freuten wir uns jetzt, „schwer unterwegs“ zu sein. Denn auf einem Pass kann es dem Wind schon mal einfallen, mit kräftigen Böen in die Seite zu hauen. Zudem vertrauten wir bei der Abfahrt auf Scheibenbremsen (Tektro Auriga SUB beim „Delite“) oder hydraulische Felgenbremsen (Magura HS-11beim „World Traveller“) gleichermaßen.

Nach einer solchen Querung, von denen wir einige absolvierten, waren´s dann wieder zwei komfortabel ausgestattete Reiseräder, auf denen es die Fjordküste entlang ging. Sportliche Sättel gehören dabei nicht zu unseren Favoriten. Auf der nächsten Reise würde ich sie ersetzen, durch gut eingerittene Ledersättel. Denn im Prinzip bleibe ich ja Reisender, nicht Radsportler. Nur bergauf würde ich, Reisender hin oder her, jeder sportlicheren Variante den Vorzug geben, vor dem bald 19-Kilo-Nettogewicht eines „Delite“. Hinzu kommt, dass man beim „rohloff traveller“ mit „faiv“- Lowrider für die Gepäcktaschen und „SON“-Nabendynamo schnell auf einen Preis von 4.268,80 Euro kommt. Den WorldTraveller 29 gibt es für weniger als die Hälfte.

Für die technischen Spezifikationen verweise ich auf den ABSPANN. Zur Transparenz sei noch angemerkt, dass ich Testräder wie Reisetaschen über den pressedienst-fahrrad (pd-f) bezogen habe.

Text: wscher / Fotos: wscher / A. Jeltschin

 

ABSPANN

Riese und Müller delite traveller rohloff

Koga World Traveller 29

Ortlieb


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