Miniaturbild Tweed Run3

Wann kommt der Tweed Run nach Berlin?

Bei einem Tweed Run radeln Damen und Herren möglichst in Tweed, auf möglichst stilvollen Fahrrädern durch die Londoner Innenstadt. Seit der ersten Fahrt 2009 wird in der Presse sporadisch über den Tweed Run berichtet. Dabei folgen regelmäßig Hinweise auf Nachahmer in Weltstädten wie Toronto, Tokio, Chicago oder neuerdings New York. Was liegt da näher, als einmal nach Berlin zu schauen. An Zwiegesprächen zum Thema fehlt es auf Fahrradmessen bestimmt nicht. Verstreut sprechen auch Blogger die Frage an. Zumindest öffentlich ist wenig passiert. Im letzten Jahr hat sich der Pianist Tilman Krischan die Domain tweedrunberlin.com reserviert. Zusammen mit Freunden gab es Planungen zum Ablauf  sowie Sponsoren für eine solche Veranstaltung zu gewinnen. Mehrmals wurde versucht, Kontakt zum englischen Veranstalter herzustellen. Leider erfolglos. Jetzt kam eine deutsche Universitätsstadt mit 160.000 Einwohnern den Berlinern zuvor.

 

Oldenburg vor Berlin

Der Messemensch Gregor Schober importierte die Idee für die Deutsch-Britische Gesellschaft aus England, ließ sie sogar namensrechtlich schützen. Gegen hauptstädtische Nachahmer hätte er nach eigenen Angaben allerdings nichts. Siehe Gespräch: “Jeder Norddeutsche ist eigentlich Engländer.” Also rollten am vergangenen Sonntag, einen Tag nach dem Tweed Run in London, zum ersten Mal 90 Teilnehmer bei sonnigem Wetter bis vor das Oldenburger Schloss, in dessen Garten man dann bei Scones und Tee ins Plaudern kam. Vielleicht sieht man der Veranstaltung noch die Gemachtheit an. Etwas mehr Community wäre auch für die Seite www.tweedrun.de vorstellbar. Schlussendlich haben die Oldenburger es aber doch richtig gemacht und ihren eigenen Tweed Run ins Leben gerufen. Übrigens haben sie damit etwas von der vorteilhaften Idee des Gentleman weitergegeben.

 

Der Gentleman und die Berliner Radkultur

Eine Lady oder ein Gentleman zu sein ist absolut keine Frage des Standes, sondern eine Haltung. Einen Gentleman, der Fahrrad fährt, könnte man auch als Flaneur bezeichnen, der aufs Rad gestiegen ist.

Wenn nun an manchen Tagen im Berliner Straßenverkehr mal wieder jeder Egoist macht, was ihm spontan passt und der Aggressivere dabei gewinnt, ist das nicht wirklich Coolness. Es handelt sich auch keinesfalls um die durchsichtige Nichtakzeptanz überholter Verkehrsregeln. Die Resultate sind eher peinlich: Mehr oder weniger glimpflich verlaufende Ausweichmanöver oder die Weitergabe schlechter Laune. Hinzu kommt der lächerlich projektile Blick auf den jeweils anderen Verkehrsteilnehmer, der statisch als eine aus der Retorte geschlüpfte, andere Gattung wahrgenommen wird.

Da würde der Berlin Tweed Run der Stadt nur gut tun. Flaneure, die aufs Rad gestiegen sind, könnten eine andere Idee, eine freundlichere, souveräne Grundhaltung in den Stadtverkehr hineinbringen. Eine Prise Respekt, ein bisschen Gelassenheit, die notwendige Selbstironie, kurz: die wahre Coolness.

Die Community

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an die Fortsetzung der beliebten Idee des Geteiltseins gerade in Berlin. Gerne haben sich die Umzüge sozialer Bewegungen gleich nach ihrer Gründung in wahre, echte, politische, revolutionäre usw. aufgesplittet und sind dann mir erhobenen Nasen in entgegengesetzte Richtungen davongezogen. Undenkbar ist es nicht, dass mehrere Menschen gleichzeitig die Idee haben, den ersten Berliner Tweed Run zu organisieren. Da wäre es natürlich begrüßenswert, wenn sich alle Interessenten zusammenschließen. Die von ihrer Teilnehmerzahl größer angelegte alljährlich stattfindende Sternfahrt jedenfalls, die sich London übrigens von Berlin abguckt haben soll, ist das beste Beispiel für entspanntes Fahren unterschiedlichster Radfahrertypen und Gruppen.

Eine interessante Frage wäre auch die der Route. Seinem Wesen nach gehört der Tweed Run ebenso auf den Kudamm wie Unter den Linden. Warum nicht gleich von West nach Ost oder umgekehrt? Aber diese und weitere Spekulationen könnten schon bald überholt sein. Denn möglicherweise fallen die Entscheidungen für den Tweed Run bereits im Mai.

 

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Die Sponsoren des London Tweed Run kommen nach Berlin

Als Smalltalkhäppchen oder erstes Planungsgespräch dürfte sich der Berlin Tweed Run nämlich auf der kommenden „English Cycle Style“-Veranstaltung der Firma Brooks anbieten, die in den Geschäftsräumen eines neuen Ladens in Berlin-Mitte stattfindet. Geht es nach Inhaber Dr. Ulrich Gries, könnte es bereits im Frühsommer losgehen mit dem ersten Berlin Tweed Run. Ohne die offiziellen Sponsoren will er offenbar nicht loslegen, zumindest nicht unter gleichem Namen. Tweed Run sei schließlich eine eingetragene Marke, so Gries.

Wer jetzt neugierig ist oder sich in irgendeiner Weise angesprochen fühlt von Fahrrädern, Mode und Accessoires aus dem Vereinigten Königreich, begebe sich am 5. Mai in das Berliner Geschäft Prêt-à-Vélo, in der Fehrbelliner Straße 17. Dank eines Sponsors ist für ausreichend Gin gesorgt.

Last but not least wurde vor dem Wochenende nun die Nachricht getwittert, dass im Herbst ein weiterer Tweed Run in London stattfinden soll. Offenbar ist die Nachfrage also da. Zumindest in England.

Text: wscher / Foto: Wikipedia

 

Infos: Tweed Run London; Tweed Ride Report Calender;

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